1690
Mai bis August 1712.
7. Juli. (Die unbetheiligtcn Orte.) Die zwei Städte erklärten laut Bericht des Ausschusses, sie hätten dieFricdcnövorschlägc, die nach ihrer Ansicht völlig durchbcrathcn und festgestellt wären, ihren Obern bereits zu-geschikt und es sei daher nicht mehr in ihrer Bcfugniß, auf Aenderungen einzutreten. Was die Grenzliniein dcir Freiänitcrn betreffe, habe der französische Botschafter bei Zürich und Bern sich zu Gunsten der V Orteverwendet; die Antworten seien nun zu erwarten. Die Gesandten selbst besorgen, daß die Obern diesenPunkt, in dem sie ihre Instructionen aus Nachgiebigkeit überschritten hätten, nicht ratificiren möchten. Deran den V Orten begehrte Ersaz, in Rapperswyl bestehend, sei ihnen abgeschlagen worden, obwohl sie diesenOrt mit Gewalt hätten in die Hände bringen können; da beide Städte in den Waffenstillstand nie ein-willigten, stehe noch zu erwarten, waS da erfolgen könne. Die Privaten werden den nämlichen Schuz unddie gleichen Rechte für ihr Eigcnthum genießen, wie die Klöster. Die Städte in der Grafschaft Baden hättenbereits ihre guten Capitulationcn schon erhalten; auch Badcu werde eine leidliche bekommen. Diesen Städtenwerde an ihren Spitalgütcrn und Einkünften nichts genommen; das Nähere über den einen und ander»Punkt werde im Hauptinstrumcnt weitläufiger erörtert werden. Die Bestimmung über die Pfründen zu Zurzachkönnen sie nicht ändern. Die allgemeine Amnestie aber wollen die Gesandten den Obern empfehlen. Den Abtbetreffend soll cS die Meinung haben, daß sämnitliche Orte überhaupt, nicht nur die VII katholischen Orte,sich desselben nicht mehr annehmen sollen. Obwohl in dem FriedcnSvorschlag nur die Rede von der Auf-hebung des Landfriedens von 1531 sei, so begehren die zwei Stände doch sehr, daß dieser Brief den neutralenOrten auch herausgegeben und von diesen an Zürich überliefert werde. Schließlich hoffen die Gesandten vonZürich und Bern, bis morgen im Bcsiz der RatificationScrklärungcn ihrer Obern zu sein. Nach Kcnntniß-nahmc voil diesen Eröffnungen lassen die V Orte durch einen Ausschuß den unbetheiligtcn Ständen für ihrevielfachen Bemühungen ihren Dank aussprechen; sie hätten zwar da und dort noch größere Zugeständnisseerwartet, indessen wollen sie den Obrigkeiten von Allem Bericht erstatten und wünschten nur zu vernehmen,ob den zwei Städten ihre sofortige Abreise oder die Abwartung der Antworten von Zürich und Bern liebersei. Lcztcrc überlassen dicö dem Ermessen der V Orte selbst. 8. Juli. (Die neutralen Orte.) BürgermeisterEschcr eröffnet, daß Bern laut Meldung an seine Gesandten mit der im Fricdcnscntwurf enthaltenen Thcilungder Frciämtcr nicht zufrieden sei, und verlange, daß die Grenze von dem Thurm zu Lunkhofen bis an dasäußerste HauS gegen die Lucerncrgrcnzc zu in Fahrwangcn gehen soll. Der großen Unkosten überdrüßig, diebei der langsamen Abwiklung der Verhandlung auflaufen, gebe Bern den V Orten eine Frist von vicrund-zwanzig Stunden, sich darüber schlüssig zu machen. Wollten sie sich mit dieser Grenzlinie nicht begnügen, sogehe Bern noch weiter und verlange, daß die Grenze sich von Jonen weg bis an den Hallwylcrsec erstrckr.Wenn sich die V Orte abermals innert vicrundzwanzig Stunden hierzu nicht verstehen können, sollen sie vonden Frciämtern gänzlich ausgeschlossen sein. Bürgermeister Eschcr, dein die Ratification von Zürich bereitszugeschikt ist, wünscht sehr den Rath der neutralen Stände, wie auch Bern zu einer gleichmäßigen Genehmi-gung des Fricdensvorschlagcs bewogen werden könnte. Nach den, Wunsche EschcrS ersuchen die unbetheiligtcnOrte die Gesandten von Bern, für die Annahme der Vorschläge persönlich bei ihren Obern zu wirken;außerdem richten sie dahin noch eine eigene Zuschrift. Bou all dem wird, da die Gesandten der V Orteheute früh verreist sind, dem Statthalter von Flcckenstcin von Luccrn Mitthcilung gemacht, damit er cSgehörigen OrtS weiter gelangen hrsse. — (Die nämlichen, nebst Bürgermeister Escher, Rathsherr Tscharncrund Statthalter von Fleckenstcin.) Bürgermeister Eschcr ist durch den französischen Gesandten die Nachrichtzugegangen, daS Volk des Kantons Zug habe den FriedcnSvorschlag verworfen, in vollem Aufruhr Amman»