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Mai 1712,
Obrigkeit, die Waffen ergriffen. Hierauf wird Herr de la Martinicre mit einem Rccrcditiv entlassen. In-zwischen haben die unbcthciligtcn Orte schriftlich den Wunsch auSgcdrükt, Zürich und Bern mochten ihreSizungcn »ach Königsfclden verlegen. Daselbst trifft am nämlichen Tage eine abermalige Abordnung derunparteiischen Orte ein, bestehend in den Herren Landammann Zwicki, Deputat Burkhardt, Rathshcrr Von-derweid und Sckclmeistcr Mutz. Sie betonte neben der großen Gefahr besonders die Ungeduld der katholischenOrte, die aus Widerwillen leicht zu einem unabsehbaren Entschluß kommen möchten. Man sehe wohl, sagteRathshcrr Vvnderweid, daß es die Ehre, das Leben, Gut und Religion gelte, und ohne beidseitigen Zu-sammentritt nichts zu erreichen sei. Wenn also der rechte Ernst zu gütlicher Unterhandlung vorhanden sei,und man doch nicht nach Baden gehen wolle, wünscht die Abordnung zu vernehmen, ob cS beliebte, sich indie Bäder zu begeben und auf dem Schüzenhaus zu tagen, wobei aber zum Voraus beiderseits die Waffenniedergelegt werden müßten. Dieses Ansinnen wird rundweg abgeschlagen mit dem Vcrdcutcn, man sehe wohl,daß die katholischen Orte dem Frieden nicht geneigt seien und in cinstudirter Weise die Sache in die Längezu ziehen suchen. Zürich und Bern stellen ihnen daher bis Morgen, den 8. Mai eine lczte Frist, sich z»erkläre», ob sie Baden räumen, oder aber einen andern Ort zur Vornahme der Verhandlungen, wie Zurzachoder Brugg, genehm halten wollen, damit man sich darnach zu richten wisse. In Erwartung dieser Antworterscheint den 8. Mai ganz unvcrmuthct zur Mittagszeit der französische Gesandte. Auf seine Fragen, warumdie beiden Städte nicht nach Baden kommen wollen und warum sie die Waffen ergriffen, wird er auf dieBcsazung iu Baden und auf die Rettung der unterdrüktcn Toggenburgcr verwiesen. Die weitere Frage, ob a»Skeiner andern Ursache als des Toggcnburgcrgeschäfts wegen die Waffen ergriffen worden, wird mit Neingeantwortet. Der Gesandte findet dieö erfreulich, weil die katholischen Orte nun einmal glauben, daß cS aufihre gänzliche Unterjochung abgezielt sei und daher schon da und dort, wie bei dem österreichischen Erzherzogu. s. w. gefährliche Unterhandlungen angeknüpft haben in der Absicht, im Fall sie nun doch zu Grunde gehenmüssen, auch die beiden Stände in den Untergang hineinzuziehen, weshalb Frankreich die Grenzen werdebesczcn lasse». Mittlerweile scheine aber nichts leichter als die Beilegung des ToggcnburgcrstrcitcS, wozu er,freilich ohne sich grundsäzlich in eidgenössische Angelegenheiten zu mischen, gern mitwirken wolle. Dem Königsei an der Wiederherstellung der Ruhe mehr gelegen, als irgend einem Kantone selbst. Die beiden Städteverdanken diese gute Gesinnung und sind der Hoffnung, daß, falls eine Einigung bezüglich der Malstatterzielt würde, die noch nicht so weit entzweiten Gcmüthcr auch eine Einigung in den andern Differenz«»finden ließen. Die Zumuthung des Gesandten, allseitig die Waffen niederzulegen, wird rund abgeschlagen.Über diese Besprechung wird den Obern das Erforderliche zugeschrieben. Inzwischen erhalten die Gesandtenvon Zürich die Anweisung, wenn es je zu Unterhandlungen kommen solle, jedes „Projcctircn" zu vermeiden,indem beide Stände dadurch zu einer Partei gemacht würden. Nachdem hicvon den Gesandten von BernMitthcilung gemacht worden, wird einhellig beschlossen, sich aus besonder» Bedenken in keinerlei Vorschlägeeinzulassen und auch die neutralen Orte nicht als Schiedsrichter anzuerkennen, sondern für einmal lediglichbei der Frage der Dingstätte zu verbleiben. Die Gesandten von Bern sind dem zwar auch nicht entgegen,haben aber doch verschiedene Bedenken, besonders wegen der parteiischen Feder; es seien mündliche UnterHandlungen allzeit gefährlicher als der schriftliche Weg; bei lezterm könne man die Worte abwägen, erläuternund habe den klaren Buchstaben in der Hand und ersehe eher, ob die Katholischen zu einem billigen AuStragder Sachen geneigt seien. Da es sich aber vorerst lediglich um die Malstatt handelt, ist man bei diesemThema verblieben. Am 9. Mai erscheint die Abordnung der unbcthciligtcn Orte noch einmal und schlägt