1000
Mai 1712.
Hichcrkunft vorzustellen und die Einstellung aller Feindseligkeiten zu verlangen, Hievon wird den beteiligtenkatholischen Orten Mitteilung gewacht mit dem Gesuche, daß sie ihre Abreise noch verschieben. Da auchdiese Mission erfolglos war, bcrathcn sich die unbcthciligtcn Orte weiter, waö in der Sache gcthan werde»könnte, geben auch den beteiligten katholischen Orten davon Kcnntniß und ersuchen dieselben, die bevor-stehende Ankunft des französischen AmbassadorS abzuwarten, der gebeten werde, sich in'S Mittel zu schlagen.Schließlich einigen sich die Orte, von den beteiligten katholischen Ständen allfälligc Vorschläge über einenWaffenstillstand, Räumung von Baden, Annahme einer andern Malstättc u, s. w, entgegenzunehmen unddiese dann durch katholisch GlaruS, Frciburg und Solothurn den beiden Städten vortragen zu lassen. Diebeteiligten Orte konnten sich aber zur Räumung vou Baden nicht verstehen; Zürich und Bern sollen in dengroßen Bädern Quartier nehmen und gemeinsam auf dem SchüzcnhauS confcrircn. Der Friede von 1656seze fest, wenn ein Ort das Recht darschlage und der beklagte Ort das Recht nicht bestehen wolle, so habendie andern Orte dem Recht begehrenden beizustehen. Diese Stellung sollen nun die unintcrcssirtcn Orte in sgemein gegen Zürich und Bern einnehmen. Die protestircndcn Stände sind jedoch hierzu nicht instruirt, undeö wird daher die Antwort der beteiligten Orte den zwei Städten nicht eröffnet. Nachdem inzwischen derfranzösische Gesandte eingetroffen, wird demselben durch einen Ausschuß, bestehend in Landammann Zwicki,Schultheiß von Lantcn, Bürgermeister Burkhardt und Stadtvcnncr von Noll die Sachlage vorgetragen; des-gleichen werden Zürich und Bern eingeladen, behufs bessern gegenseitigen Verkehrs ihre Sizunge» nachKönigSfelden zu verlegen. ES folgt nun ein wechselseitiger Meinungsaustausch zwischen den unbeteiligte»Orten und den beiden Parteien einerseits, und anderseits zwischen diesen allein und dem französischen Ge-sandten, der von keinem Erfolg begleitet ist. Die Gesandten von Zürich und Bern lehnen die aUgcmcincEntwaffnung rundweg ab und weigern sich gleichfalls, nach Baden zu kommen, und die katholischen bctbci-ligten Orte verlangen die Entscheidung des Toggcnburgcrstrcitcs, um den es sich nach Erklärung beider Ständeeinzig handle, durch unparteiisches Recht oder unparteiische Minne. Der nun folgende Vorschlag, die Unter-handlungen zur Beibehaltung des Friedens an einem andern Orte, vornehmlich in Bern, oder dann i»Aarau, Aarburg, Oltc», Brugg oder Schaffhauscn fvrtsezcn zu lasse«, findet bei Zürich und Bern wenigVertrauen. Nachdem am 9. Mai bereits mehrere Gesandte der katholischen bcthciligtcn Orte verreist warenund sich alle Unterhandlungen zerschlagen hatten, einigen sich die unbcthciligtcn Orte gleichwohl, ihre äußersteThätigkcit für Erhaltung des Friedens nicht auszusczen, und berufen sämmtliche eidgenössische und zugewandteOrte zu einer neuen Tagsazung auf den Abend dcö 22. Mai nach Ölten und Aarburg. v. (Luccrn, Uri,Schwpz, Untcrwaldcn, Frciburg, Solothurn und der Abt von St. Gallen.) Zu der von Zürich und Bernverlangten Zurükzichung der Truppen aus Baden kann nur dann zugestimmt werden, wenn allseitig einegänzliche Entwaffnung angenommen wird; denn Zürich und Bern als Anstößcrn wäre es ein Leichtes, in einerStunde die ganze Grafschaft Baden mit ihren Truppen zu überziehen. Schwyz will mit Zürich und Ber»erst dann unterhandeln, wenn die beiden Städte sich vorher dcö Toggenburgs ganz cntschlagen haben; wollte»sie hierüber unterhandeln, soll man ihre Vorschläge entgegennehmen, wo nicht, sei jeder längere Verbleib zuBaden unnüz. Auf die Anfragen an Frciburg und Solothurn, waö sie für die katholischen Orte thun wolle»/erklärt Frciburg, daß seine Truppen bereits aufgcmahnt, die Commandantcn in ihre Quartiere verordnet u»ddie Waffen besichtigt worden seien. Für den gemeinsamen Kricgsrath der Orte Lucer», Frciburg, Solothur»und Wallis sei daS frciburgischc Mitglied bereits ernannt. Solothurn hat ebenfalls seine gcsammtc Mannschustaufgcmahnt und die Hauptstadt und die Grenzposten stark bcsczt, so daß Bern bereits eine namhafte Mannschust