1656
April bis Juli 1712.
Hauptmann Achcrmann, die im Lager der Luccrncr in Muri und Hcrmctschwyl gewesen, berichten, Luccrn seiWillens, daselbst zum Angriff zu schreiten, befürchte aber, es sei dem Feind in seinem wohlvcrschanztcn Lagerzu Mellingen schwer bcizukommcn, daher habe man schleunigst von Luccrn Vcrhaltsbefchlc erbeten. Baden seiohne schleunige Hilfe nicht im Stande, das angedrohte Bombardement auszuhallen, und müßte sich sonach anZürich und Bern ergeben. Major Bücher bringt auö den Freiämtcrn die Nachricht, daß die Bcrncr ihr Lagerbei Mellingen verlassen und an Brcmgartcn vorbeigezogen seien. Luccrn habe vicrundzwanzig StundenBedenkzeit verlangt, ob es die Frciämtcr aufgeben und ncutralisircn lassen wolle, aber ohne Erfolg. Daherwill Luccrn vernehmen, welche Hilfe man ihm gewähren wolle. Es wird beschlossen, alle verfügbaren Truppe»zusammenzuziehen und von dem Kricgörath in den Freiämtcrn Kunde einzuholen, wo der Feind aufgestellt sei,um darnach mit den dortigen Truppen gemeinsam opcriren zu können. 27. Mai. Landammann Schornsund Landammann Wüvrncr von Schwpz erstatten Bericht über die Fortschritte der Feinde im st. Gallische»;sie schlagen eine gleichzeitige Diversion von Rappcrswyl aus vor, wozu jre aber der Untcrstüzung eines Corpsvon 1999 Mann bedürften. Es wird dieser Abordnung die Sachlage in den Freiämtcrn eröffnet und bedeutet,daß man von den weiter» Entschließungen dcS dortigen Corps noch nichts Näheres wisse. 28. M a i. DurchStatthalter Brandenberg von Zug wird dem Rath in Luccrn der mündliche Bericht über die in völligerAuflösung begriffene Brigade von Muri erstattet und angefragt, was bei dieser Sachlage zu thun und z»rathcn sei (St. Luccrn: A. T.) Von den unbcthciligtcn Orten geht die Einladung zum Besuch der Tagsazungin Ölten auf den 29. Mai ein. Der Connnandant von Brcmgartcn, Johann Jakob Muos, rclatirt über dieCapitulation von Mellingen; auch für Brcmgartcn stehe nun ein Gleiches bevor. 39. Mai. ES erscheinteine abermalige Deputation von Schwyz, bestehend in Landammann Schorns und LandcSschüzcnmcistcr Rcdingund verlangt einen cinmüthigcn Beschluß der katholischen Orte, daß der Angriff unternommen werde. DirAbordnung äußert, man wolle das Geschehene vergessen und jczt sich neu ermannen. Zug antwortet, cS wollemithalten, wen» alle fünf Orte zur Offensive übergehen wollen; den Besuch der Tagsazung zu Ölten betrachtetZug diesem Vorhaben als keineswegs hinderlich. 31. Mai. Landshauptmann Bücher von Obwaldenverlangt, daß man aus der Unschlüssigkcit heraustrete, die Leute seien unwillig, sie verlangen entweder vorz»gehen oder heimzukehren. Auffallen erregt der Vorgang, daß Schwyz Abordnungen an die einzelnen Orteschikt, um sie zum Mithandcln zu bewegen, und die KricgSräthc in Zug umgehe. Dies gereiche wenig zurHerbeiführung der Einigkeit. Während Schwyz das Alte vergessen will, bringe cS gleichzeitig neue Klage»gegen Hauptmann von der Flüe und Kanzler Stulh vor. Auch Nidwaldcn will lieber, daß Etwas geschehe,als daß nichts geschehe; man soll nicht mehr lange zaudern, der Heuet nahe bereits und dann seien seineLeute nicht mehr zurükznhaltcn. 2. Juni. (Uri, Schwyz, Untcrwaldcn, Zug und Wallis.) Es wird dasErcditiv für Jost Valentin, Hauptmann des Zehnten Gombs verlesen. Derselbe trägt vor, cS befremde dieRepublik Wallis das eilige Hilföbcgehrcn einerseits und die mehrwöchige Unthätigkcit der fünf Orte anderseitsnicht wenig. Wallis verlange daher, das „Geschäft" oder den Krieg zu befördern, da es zu nicht mehrverpflichtet sei als Frciburg und Solothurn. Obwohl der Abgeordnete auch das zweite MonatSgcld für die1999 Mann mitgebracht, könne er gleichwohl nicht verbergen, daß unter diesen viel unruhige Köpfe seien, dirnach Hause trachten und den Monat nicht auödicnen wollen. ES sei nicht zu vergessen, daß Wallis außerdiesen 1999 noch andere 6999 Mann unter den Waffen habe. ES wird Wallis der Dank des Kricgsrathcsausgesprochen; den fünf Orten sei dic Hinzichung der Dinge nicht weniger leid als Wallis, cS sei zu erwarten,daß dic Tagsazung in Ölten entweder den Frieden oder aber den Krieg bringen werde. Schwyz schreibt, daß