Druckschrift 
1 (1801)
Entstehung
Seite
296
Einzelbild herunterladen
 

296bringen. Die konstituirende Versammlung wurde freilichvom Konvent bei weitem übertroffen. Erstere gabdem Verbrechen nur schweigenden Beifall; Lezterer gebotund organisirte jene Gräuelscenen, denen ganz Frank-reich zur Bühne dienen mußte. Der Hauptgrundsatzder ersten Versammlung scheint der gewesen zu seyn: allesgeschehen zu lassen. Ihre Mitglider besaßen größtentheilseinen hellen Verstand, viele Gewandheit und eine seine Le-bensart. Ohne Widerrede fand man in ihrer Mitte diehöchste Civilisation; und doch begann das französische Volk,während ihrer Regierung, zur Bärbarei zurückzukehren. Werwar liebenswürdiger, wer war verführerischer als Mirabeau,wenn er gefallen wollte; es sey bei Weibern, oder vor demVolke? Wer führte den Vorsitz mit mehr Würde undzu gleicher Zeit mit mehr Annehmlichkeit als er? Unddoch war er ein ehrgeitziger und rachsüchtiger, ein wilder undblutgieriger Mensch, zugleich ein verschmitzter Hofmannund ein zügelloser Demokrat. Dieser Mann, der gefürchteteAbgott zu Versailles und der König der Hallen zu Paris,wurde das Oberhaupt der konstituirenden Versammlung;er beherrschte sie durch sein überwiegendes Genie. DieseGesellschaft auserlesener Deputirten war bald nichts weiterals eine folgsame Heerde, welche sich lediglich nach dem,oft beredten, Bellen dieser blutdürftigen Dogge richtete.Das Uebergewicht, welches Mirabeau, ohne sonderlicheMühe, in der konstituirenden Versammlung sich zu verschaffenwußte, ist ein wahres Verbrechen, das der Leztern zur Lastfällt. Ohne Zweifel kam der größte Theil der Abgeordne-ten mit den lobenswürdigsten Entschließungen nach Versail-les und nach Paris. Allein sie verloren das wahre Wohlihres Vaterlandes nur allzu schnell aus den Augen. Ihre