— 122 —auch nicht einen einzigen Aufruf, wodurch die Bürger hät-ten bewogen werden können, in ihre pflichtmäßigen Schran-ken zurück zu kehren. Weit entfernt gaben die geschickte-sten Redner diesen blutigen Bewegungen lauten Beifall;den Parisern wollten sie schmeicheln, deren sie zur Ausfüh-rung ihrer Ränke bedurften. Lafayette zeichnete sich an-ter diesen ehrgeitzigen Demagogen aus; ihm gelang es, inder Erklärung der Menschenrechte, folgenden Satz aufzu-stellen, und dadurch jene Thatsachen gleichsam zu heiligen:Der Widerstand gegen die Unterdrückungist die heiligste aller Pflichten.Diese Maxime ist ohne Zweifel schön und gerecht; aberin welchen Zeiten flehte man sie auf? Jede Wahrheitfrommt zu irgend etwas, nur muß man den rechten Zeit-punkt abwarten, um sie kund zu machen. Der heilsamsteTrank, dem Kranken zu früh gereicht, wird tödtendes Giftfür ihn. Der große Grundsatz Lafayette's war nureine Leiter, welche diesem ehrgeitzigen Manne dazu dienensollte, den höchsten Gipfel der Volksgunst zu erklimmen. 2)2) Der Verfasser wirft hier, und an mehrern andern Stellen seinesWerks, einen gehässigen Verdacht auf Lafayetten; aber mitUngrund. Lafayette, dieser Mann, der für die Revolutionso viel that und duldete, bewies es durch sein ganzes Betragen,daß nur das Glück und die Wohlfahrt seines Vaterlandes ihmam Herzen liege. Die Tage seines größten Einflusses waren dieschönsten Tage der Revolution. Girtanner sagt sehr wahr:„Lafayerte konnte ein zweiter Cromwell werden, aber erwollte es nicht.“ — Möchte es doch dem edlen Manne gefallen,uns durch ein Werk, wie nur er es liefern kann, über so man-ches aus den ersten Zeiten der Revolution Auskunft zu geben.Der Uebers.
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