Druckschrift 
1 (1801)
Entstehung
Seite
22
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22treulich abmalen. Denn eine große Revolution ist nimmerzwei Tage lang sich selbst gleich; sie ändert täglich ihre Gestaltgleich dem Monde. Die ersten Anstrengungen einer Nation,welche sich erhebt, sind ohne Zweifel sehr achtungswerth; siesind eine furchtbar schöne Erscheinung. Aber ach! Nur zu baldfinden sich Ränkemacher, welche jede zweckmäßige Vereinigunghintertreiben. Sobald man sie die Rollen austheilen, und ih-re Plätze wählen läßt, so bald verliert auch das Volk je-nen imposanten Charakter, den es angenommen hatte, unddie Revolution, welche der große Gerichtstag für alleSchuldige, ohne Unterschied, seyn sollte, artet in ein Cha-os von Blut und Ruinen aus. So gieng es dem unglück-lichen Frankreich, als es einer Handvoll Ehrgeitziger, ohneTugend und Talente, aber mit einem wahren Genie füralles Böse, zum Raube wurde. Die franz. Revolution ge-schah durch den dritten Stand, und zu seinem Vortheil.Der Hof, der Adel und die Geistlichkeit haben ihren Sturzselbst herbeigeführt, und zwar durch das Aergerniß, welchesihre Sitten gaben. Durch die Unvernunft ihrer Grundsätzedurch ihren Stolz, durch ihre Hartnäckigkeit und durch dieUnbilligkeit ihres Betragens. Aber die Unpartheilichkeitdringt uns das Geständniß ab: aus der Mitte des Volkshaben sich eben so unmoralische, eben so strafbare Wesenerhoben, als aus den andern beiden Ständen. Von demAugenblick an, daß der ehrliche Handwerker seine Werkstattverließ, um eine Stelle im Staate zu bekleiden, hörte erauf tugendhaft zu seyn; der Ehrgeiz verwirrte ihm denKopf. Bierbrauer, Schuster, Limonadenverkäufer, Schrei-ner u. s. w. wurden, in Zeit von einem Tage, Generä-le, Minister, Administratoren, Kommissarien, und wuß-ten sich die Achtung ihrer Mitbürger nicht zu erhalten. Zu