Druckschrift 
1 (1801)
Entstehung
Seite
16
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16Muhammed, besaßen sie gleichwohl seine unergründlicheBosheit. Wir selbst haben jenen schrecklichen Jammer er-fahren, der uns sonst, in den Jahrbüchern der alten Welt,fast unglaublich vorkam. Ach! auch wir haben unsre Pha-laris gehabt; die immer fertige Guillotine übertraf denehernen Stier jenes Tyrannen. Denn mit welcher Leich-tigkeit konnten unsre Würger durch sie ihren Durst nachBlut, ihren Hunger nach Menschenfleisch befriedigen! Ebenso wie Phalaris, kehrten unsre Machthaber die ihnenvertrauten Waffen, die ihnen übergebene Gewalt gegen dieBrust der Nation, die nur zu leichtgläubig gewesen war.Eben so wie die franz. Decemvirs, hungerte Phalarisdas Volk aus, um es zahm zu machen; verbannte den bisherigen Gottesdienst und gab ihm einen andern, seinen des-potischen Absichten weit angemessenern; organisirte Verschwö-rungen, um das Recht und die Gelegenheit zu bekommen,die Bürger sich untereinander würgen zu lassen, und sichselbst dann durch ihren Raub zu bereichern. Man hat dieBlutgesetze eines Drakons angeführt, um damit die weitabscheulichern unserer neuen Gesetzgeber zu rechtfertigen.Der alte Wiederhersteller Athens, sagt man, kannte keineandere Strafen, als Todesstrafen, die Vergehungen mochtenschwer oder leicht seyn. Aber man hat vergessen, daß Dra-kon, der nur durch Worte schrecken wollte, gar sehr aufdie Weisheit und Menschlichkeit des Areopags zählte. Erwußte es, daß diese höchsten Richter nie anders, als völlignüchtern ihre Aussprüche thaten. Wie ganz unähnlich wa-ren sie den heutigen sogenannten Volksvertretern, welchetaumelnd von Wein und Ausschweifungen, in die Bänkeunsers Senats sich hinsezten, um ihre Orgien dort aus-zuschlafen; dann maschinenmäßig aufsprangen, menschen-wür-