Druckschrift 
1 (1801)
Entstehung
Seite
15
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15Jubel über die Ströme Bluts, die geflossen sind; die Freu-de wird um so größer, je mehr unserer Brüder den Kampf-platz bedecken. Wenn man zwei Nachbarvölker sieht, dienur ein Flüßchen von einander trennt, wie sie wechselswei-se durch Feste einen Sieg feiern, der Tausenden das Lebenkostete; so kann man sicher darauf rechnen, daß jede dieserNationen, sollte sie eine politische Krise erfahren, auchFreudenbezeigungen anstellen wird, wenn eine Parthei überdie andere triumphirt. In Bürgerkriegen pflegt das Volkeben so laut über Hinrichtungen zu frohlocken, wie sonstüber einen Sieg gegen auswärtige Feinde. Es bedenktnicht, daß, in einem solchen Falle, eine Hand die andereabhaut. Die Egypter, welche für weise galten, ersanneneine Hieroglyphe, um ein Volk in Revolution darzustellen:sie malten eine Schlange, welche sich in den Schwanzbeißt, und mit ihrem eigenen Blute sich berauscht.Kann man, nach diesen Betrachtungen, sich noch dar-über wundern, daß die Menschen, im gesellschaftlichen Le-ben, so geneigt sind Blut zu vergießen, und sich so leichtan diesen Anblick gewöhnen? Aber welche Mittel diesemverderblichen Hange entgegensetzen? Es giebt eins, und dasmuß, wie wir glauben, nicht ganz unwirksam seyn. Manmuß nämlich den gerechten Abscheu gegen die Verbrechenund ihre Urheber zu unterhalten, ja bis auf den höchstenGipfel zu treiben suchen; und zwar dadurch, daß man ihrnur zu langes Reich in all seiner Scheuslichkeit darstellt.Unser heissester Wunsch ist es, daß der Leser, bei demAnblick unsrer Gemälde, bei der Lesung unsrer Geschichtebetroffen zurücktrete und ausrufe: Wie? das alles hat sichunter meinen Augen ereignet? Wie? haben solche Unge-heuer über uns geherrscht? An Fähigkeiten weit unter