— 11 —cher geopfert wurden. Diesen Unglücklichen sügte man inder Folge bei bürgerlichen Spaltungen, die Feindedes Staates bei, d. h. die Häupter der schwächern Parthei.Man wird finden, daß in jenen Zeiten die Obern der Na-tion zugleich das Amt eines Magistrats und eines Priestersverwalteten. Das Volk gewöhnte sich sehr bald an dieMenschenopfer, und seine natürliche Ehrfurcht gegen dieGottheit artete in wilde Vaterlandsliebe aus. Wer siehtes nicht ein, welchen Vortheil die Faktionisten des erstenRangs aus dieser Lage der Dinge ziehen konnten? Im Na-men der Gerechtigkeit gebot man der Stimme der Mensch-lichkeit Stillschweigen; und bei der geringsten Veranlassungfloß das Blut wie Wasser, nicht allein auf den Schlacht-feldern, sondern auch auf den öffentlichen Plätzen.Diesen historischen Betrachtungen füge man eine Men-ge bürgerlicher Einrichtungen bei welche alle dazu geeignetsind, das Herz des Menschen zu verhärten, indem sie z. B.seine Augen an jene Bäche von Blut gewöhnen, welche im-mer durch die Gossen der Städte rieseln, in denen man dieAnlegung von Fleischbänken erlaubt hat. Gegen die Flei-scher hegt man, und vielleicht nicht ohne Grund, das Vor-urtheil, das sie härter und gefühlloser sind als andere Men-schen. Das Sprüchwort sagt: man gewöhnt sich anAlles; erst tödten zu sehen, dann selbst zu tödten. DieMenschen, in Menge beisammen lebend, gleichen vulkani-schen Materien; ein Funke ist hinreichend sie zu entzünden.Ein Volk, mit solchen Neigungen, ist zu allem fähig, oderläßt wenigstens alles in seiner Gegenwart und in seinemNamen geschehen. Verwünscht auf ewig seyen diejenigen,welche das öffentliche Vertrauen überrascht, und unter sei-nem Deckmantel die unerhörtesten Verbrechen ausgeübt ha-
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