Druckschrift 
1 (1801)
Entstehung
Seite
10
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10zu nähern; aber sie werden sich noch dichter zusammendrängen, indem sie vor Abscheu üder jene Gräuel schaudern,welche wir ihnen, allen Umständen nach, darlegen.Vor allem möchte es nützlich seyn zu untersuchen, wo-her es doch rührt, daß die Menschen im gesellschaftlichenLeben, mit so vieler Leichtigkeit, und bei der geringstenKrise das Blut ihres Gleichen vergießen. Noch hat mander Ursach einer so empörenden Wirkung nicht nachgespürt.Die Politik färbte alle Staatsumwälzungen mit Blut. Esgiebt kein einziges Volk, das in diesem Stück eine unbe-flickte Jungfrau wäre. Alle haben Mordthaten und Blut-schulden auf sich. Das erste Blut, welches mit kalter Ue-berlegung vergossen wurde, floß auf den Altären, und durchdie Diener derselben. Von dem Augenblicke an, da mandie Menschen dazu bewegte, das bloͤckende Lamm, die näh-rende Kuh und den pflügenden Ochsen zu schlachten, konnteman die Ermordung unsers Geschlechtes voraussagen 4).Der große Haufen hat zwo Neigungen, die man ohne vieleMühe zu allem mißbrauchen kann: er ist geneigt zurNachahmung, und allzeit fertig, sich die sonderbarsten Ge-wohnheiten zu eigen zu machen. Ohne Schwierigkeitbrachte man es dahin, daß in den Tempeln, anstattschuldloser Lämmer, Kriegsgefangene oder Verbre-4) Sollte dies Räsonnement ganz richtig seyn? Mir scheint es nichtso. Aeußerer Veranlassung bedurfte es wohl nicht, um den Men-schen zur Ermordung seines Gleichen zu vermögen. Der Hang da-zu ist tief in unsrem Geschlechte gewurzelt. Auch er ist ein Be-weis des radikalen Bösen. In dem gepriesenen Natur-stande äußerte er sich am unverholensten. (Vergl. Kant:die Religion 2c. 2c. S. 28.)Der Uebers.