— 5 —Die Verheerung und Einäſcherung der Pfalz amRhein durch den großen Dauphin, die Landesverwei-sung der Protestanten, die Dragonaden und unzählbare ähn-liche Schandthaten, Werke des großen Königs, — siewurden mit Lobsprüchen überhäuft, nicht bloß von einemschmeichelnden Hofe, sondern auch von der franz. Akade-mie. Und doch hätten sie billig den Unwillen jedes recht-schaffenen, geschweige dann jedes gelehrten Mannes erweckenmüßen. Der beredte Bourdaloue heiligte dieseGräuel, indem er ähnliche aus der jüdischen Geschichte an-führte. Der feinfühlende Fenelon durfte in seinemTelemach nur durch einige kalte Allegorien die Miß-griffe der Regierung Ludwigs XIV. leise berühren.Bloß einige geflüchtete Reformirte erlaubten es sich, inHolland Flugschriften herauszugeben, die indessen mehr vonGroll gegen den Unterdrücker, als von Liebe zur Mensch-heit zeugten. Sah'n wir nicht in unsern Tagen Philoso-phen, und Voltairen an ihrer Spitze, welche einerPompadour, einer Dübarri, die Hand küßten, undsinnreich über die Infamien Ludwigs XV. und seines Hau-ses scherzten?Ludwig XVI und seine Gattin erndteten schon Lo-beserhebungen, während die bittersten Sackasmen gegenden tugendhaften Türgot zur Mode wurden.So haben denn, immer und allenthalben, die großenSchuldigen ihre Uebelthaten ruhig anzetteln und ihre Ver-brechen sicher ausführen können. Niemand hat sie störenbürfen. Die Welt war von der Furcht niedergepreßt;und der Ruf, mit seinen hundert Zungen, brauchtederen keine einzige, um die Henker des Menschengeschlechtsduich seine Stimme zu erschüttern, indem sie sich, stolz
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