1831
XVI. Wann nun dises alles sich eigentlich allso verhalltet, so könnend wir nicht billichen die darwidcrstrcittende Lehrderjenigen, welche gänhlich darfür hallten, es scyge der Herr Christus nach seinem eignen fürsatz, wie auch nach seinemdud seines Himmelischen Vattcrs, der Ihn gesendet hatt, bcstimbtcn Rath gestorben für alle vnd jede, gleichwol mit disemUnmöglichen geding, wann sie nammlich an Christum glaubind! Er habe auch die Säligkeit für alle vnd iede erworben,^schon sie nicht allen vnd ieden zugeeignet werde; Er habe durch sein Todt eigentlich vnd in der that die Säligkeit vndt
Glauben für Niemanden verdienet, sonder nur die Hindernuft der Göttlichen Gerechtigkeit ausi dem wäg geraumet vnd allso^°tt seinem Himmelischen Vatter die Frcyheit, einen Nöüwen Gnadcnbundt mit allen vnd ieden Menschen auffzurichten,iuivegen gebracht; welche endtlich diejenige Gerechtigkeit, welche in Christi Leben, Leiden vnd Todt beruhwet, allso zertrännen,b"ß sie behaupten wöllen, (der Herr Christus) behallte die Gerechtigkeit seines Lebens für sich, die Gerechtigkeit aber seines^idcns vndt Todts schenckhe vnd rechne er zu den außerwehltcn. Dises alles vnd wasi schrner daran hanget sichtet zu-wider dem klahren Wort Gottes, wie auch (der Höchen) ehr dcß Herren Christi, welcher da ist ein Hertzog vnd Vollenderd"scrs Glaubens vnd (vnserer) säligkeit; cß lährct vns Christi Creutz vnd verringeret eigentlich vnder dem schein der Ver-esterung seinen gantzen Verdienst.
XVII. Den Göttlichen Gnadenberueff betreffend! ist derselbige nach") seinen (eigenen) Zeithen (von Gott dem Herren)^"gerichtet worden, Sittenwcilcn derselbige nach Gottes Heiligem wolgefallen ie zue Zeithen enger eingeschranckhct oder°uch weiter anstgebreittet worden, gleichwol aber vnbedingt allgemein niemahlen gewästen. Dann in der Zeith deß allten^siaments hatt Gott«) dem Jacob sein Wort vnd dem Israel seine gebräüch vnd rechte verkündiget; Deßgleichen hat erdazumal) keinen Heiden gcthan. In der Zeit des Nöüwen Testaments hingegen hat Gott der Herr, nachdem er durch^s> Bluet Christi sriden gemachet vnd die Mittelwand abgethan, die Predig dest H. Evangeliums vnd den äußerlichengnadenberueff weiter austgebreittet, so daß nun'") zwüschend Juden vnd Heyden kein vnderscheid mehr vnd ihr aller ein^nigcr Herr ist, reich genug für alle, die Ihn anrueffen. Gleichwol ist auch in derselben Zeith dißer Göttliche Gnaden-^ruefs nicht vnbedingt allgemein. Dann der Herr Christus bezeüget,") es seygen vil vnd hicmit nicht alle vnd iede be-^esft. Vnd da Paulus vnd Timotheus daß H. Evangelium zu predigen sich gen Bythinien erheben wöllen"'), hat gleichwol
Geist Gottes es ihnen nicht zugelassen. So sind auch ieder Zeit gewäsen vnd bezeüget es die Erfahrung, daß nach^ütigs tags vil Tausendt Menschen gefunden werden, welche von dem Herren Christo auch nur daß wenigste niemahlengehört haben.
') 1. Tim. II, ö. «) Ps. CXI.VII, 19. 2. ") Röm. X, 12, 13. ") Matth. XX, 14. ") Act. XVI, 7.
XVIII. Weniger zwahren ist es nicht, dann daß Gott der Herr auch gegen denjenigen, welche Er durch sein H. Wort^ seinem Heil nicht berueffen wollen"), sich selbst nicht vnbczeügct gelassen. Dann er hat solchen auch'") die Himmel vndd"e Sternen zu beschauwen gegonnen; Vnd") daßicnige, daß man von Gott auß den Werckhen der Natur vnd Göttlichen^rsehung erkännen mag, daß hat Er zu Bezeugung seiner Langmüethigkeit ihnen geoffenbahret. Gleichwol aber kan nichtbehauptet werden, alls wann solche Werckh der Natur vnd Göttlichen Fürschung an vnd für sich selbst genüegsame Mittel^ statt deß eüßerlichen Gnadenbcrueffs gcwäsen, durch welche die Gcheimnuß deß Wolgefallens vnd der BarmhertzigkcitRottes in Christo ihnen kundt vnd offenbahr worden feige. Denn der H. Apostel allsbald hinzusetzt"), Gottes Vnsichtbahres,
ist sein ewige krafft vnd Gottheit, nicht aber sein verborgenes Wolgefallen in Christo, werde von der Erschaffung der^ellt an ersehen, so man dassclbige in den Werckhen betrachtet; Vnd (zwahren) nicht zu dem cnd, daß sie danahcn die^Heinums; Vnserer Säligkeit durch Christum erlernten, sonder damit sy kein entschuldigung hctten, weil sie nammlich auch
nach übrige Erkantnus Gottes nicht recht gebraucht, sonder da sie Gott zwahren Erkhent, Ihne aber nicht als Gottgkhrystxn oder ihmc gedancket haben. Deßwegen dann auch der Herr Christus seinen Himmelischen Vatter preiset, daß Er?)^ Ding vor den weisen vnd verständigen verborgen vnd sie den Vnmündigen geoffenbahret habe; Vndt über das auch^ Heilig Apostel lehret''), es werde die Gheimnuß deß willens Gottes kundt gethan nach seinem wolgefallen, welches ErÄwe fürgesetzet hat in Ihm selbst.
") Act. XIV, 17. ") Deut. IV, 19. ") Röm. I, 19. °) Röm. I, 20. >') Matth. XI, 25. ') Eph. I, 9.
XIX. So ist auch der eußcrliche Gnadenberueff, welcher durch die Predig dcß H. Evangelii geschieht, in ansehung
Gottes selbst, welcher Berueff gantz ernstlich vnd aufsrichtig gemeint. Dann er durch sein wort so wol ernstlich alls