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November und Deccmbcr 1620.
N» Fünfte Session den 5. Dcccmber. Der Ambassador Gueffier eröffnet, er vernehme mit Erstaunen,daß der obere Bund von den Artikeln, welche vor vierzehn Tagen aufgestellt und von den Abgeordnetengutgeheißen worden seien, nichts mehr wissen wolle. Der Ambassador wünscht in dieser Sache den Rathder Gesandten zu vernehmen und erklärt, er habe die Artikel nicht aufgestellt, wohl aber, um seinen Rathangegangen, etwas daran verbessert. Was die Neutralität betreffe, in Beziehung auf welche „in Ewigkeit"gestanden habe, wolle er die Bünde nicht verpflichten, keine Bündnisse einzugehen; der König glaube aber,daß solches für sie nur gefährlich sein könne. Daß die Bündncr die Artikel, welche sie früher angenommenhätten, nnd die er seinem König zugeschickt habe, wieder verwerfen, müsse dem Hofe sehr befremdend vorkommen.Wegen des Veltlins werde mit Spanien unterhandelt und seiner Zeit das Resultat eröffnet werden. Die Ge-sandten möchten dein obern Bunde zureden, die fraglichen Artikel anzunehmen. — Die Gesandten sind mit diesemNathe nicht einverstanden und finden es passender, daß der Ambassador selbst vor die Abgeordneten der Bündetrete und dieselben zur Annahme berede. In Beziehung auf die Neutralität sind die Gesandten der katho-lischen Orte ohne Instruction, auch glauben sie nicht, daß die Zeitumstände geeignet seien, das Veltlin wiederzu bekommen. Was die Streitigkeiten betrifft, so inachen sich die Gesandten anheischig, das Ihrige zu thun,daß die abgetrennten Lande restituiert werden. — Der Ambassador wiederholt sein Ansuchen vor den Abgeord-neten der III Bünde. Würde man die Artikel nicht annehme», so betrachte er alles, was er im Namendes Königs wegen des Veltlins u. s. w. versprochen habe, als nicht geredet nnd wolle sich gegen alle bösenFolgen verwahrt haben. — Die Abgeordneten des ober» Bundes verdanken dem Ambassador und denGesandten die gehabte Mühe und erklären, sie könnten von ihren ersten Artikeln nicht abweichen, seien aberbereit, sie verbessern zu lassen; den die Neutralität betreffenden Artikel wollten sie allein deßhalb nichtannehmen, damit sie vom Herzog von Mailand des Veltlins wegen bessere Vorschläge erhalten und dieDörfer Zizcrs, Untervaz, Trimmis, Jgis, Rotels und Allmens der Artikel mich theilhaftig werden. — DieBestrafung der Fehlbarcn wollen sie den Gesandten überlassen, mit der Bedingung, daß die ehrsamenGemeinden und verfolgteil Personell für ihre Verluste entschädigt werden. Der obere Bund wolle künftig„eine gewisse Regel haben zu lebeil", damit dergleichen Aufruhr vermieden bleibe. Mit den Engadincrnund Münsterthalern wolle er nichts zu schaffen haben; wegen des Veltlins werde er einen Ausschuß nachMailand schicken. Die Eidgenossenschaft sammt Wallis, desgleichen Herr Gueffier möchteil sich ebenfallsdafür verwenden, daß sie bessere Vermittlungsvvrschläge erhalten. Wenn das Veltlin wieder erlangt werde,so begehren sie, daß die Aemter nach der Anzahl der Leute „genosseil" werden. — Der Gotteshalls- undder Zehngerichtenbund antworten unter gleichförmiger Danksagung, daß sie alle Streitigkeiten, etwas inNeligionssachen vorbehalten, Herrn Gueffier, den Gesandten der Eidgenossenschaft und von Wallis übergeben,um darin zu mehren oder zu mindern. In Beziehung darauf, daß die Aemter nach der Anzahl des Volkes„genossen" werdeil sollen, wollen sie sich einfach an ihren Bundesbrief halten. — Die III Bünde werde»nochmals ermahnt, die angebotenen Vermittlungsvorschläge anzunehmen. Die Gesandten erwarten den fv^gendcil Tag deren Ausschüsse in Chur, um ihre Antwort entgegenzunehmen.
I». Sechste Session den 6. December. Gueffier theilt de» Gesandten der katholischen Orte mit, es seiihm von etlichen Personen versichert worden, daß die Ruhe in den Bünden eher zurückkehren würde, wen»man beiderseits die eidgenössischen Völker abberiefe. Nicht nur würde dadurch eine Vereinbarung erleichtert,sondern auch deu in England, Piemont oder in Italien angesponnenen bösen Anschlägen, die der König bishermit Mühe habe zurückhalten können, ein Ziel gesetzt werden. Er erklärt, die Invasion des Veltlins durch