Druckschrift 
5,2,a (1875) Die eidgenössischen Abschiede aus dem Zeitraume von 1618 bis 1648
Entstehung
Seite
160
Einzelbild herunterladen
 

160

September 1620.

bitten, daß man ihnen auch fernerhin getreulich beistehen, bei der Herrschaft Venedig guten Vorschub leistenund durch Fürschreiben au den König von Böhmen, die Fürsten und Stände evangelischer Religion inDeutschland, sowie au die Geueralstaateu der vereinigteil Niederlande bchülflich sein wolle. Es wird denGesandten zu Geinüth geführt, daß der König von Böhmen und die unierten Stände mit ihrer eigenenNoth genug zu schaffen haben, und daß ihre Reise vergebens sein werde. Mail kann in das Begehren nWeinwilligen, stellt aber den Gesandten anHeim, sich an die Obrigkeiteil zu wenden. «. Man berüth sich, nbnicht dem König von Frankreich geschrieben werden soll, warum Zürich und Bern ihr Kriegsvolk in dieBünde geschickt haben, weil dessen Amhassadoren ihm eher das Gegeutheil von dem berichten, was wirklichgescheheil ist. Da aber des Königs vornehmste Näthe und Anwälte sich eben stark zu derwiderwärtigen"Factioil hinneigen und dießmal wenig Gnies ausgerichtet werden könnte, so wird die Sache bis nach derTagleistung zu Baden eingestellt; dann soll auch die schon lang besprochene Gesandtschaft an den König i»sWerk gesetzt werdeil.

(Zürich und Bern.) Ä. Zürich berichtet, was ihm dieser Tage in den Bünden von seinen Ober-sten und Hauptleuten schriftlich und von Andern mündlich mitgctheilt worden ist. Bei der BerathuGwird nicht thuulich befunden, daß die eine oder die andere Stadt ihr Regiment wieder ergänze, da Z»besorgen sei, daß die Orte den Paß sperren werdeil, wie sie in einem jüngst an Zürich erlassenen Schrc»ben sich habeil verlauten lassen; leicht könnte daraus ein allgemeiner Aufstand im Vaterland erfolgen, u»ddas Kriegsvolk in den Bünden würde dann nichts nützen. Oberst Guter, der zu Zürich angelangt ist'hat weder die Ergänzung, noch die Heimbcrufung der Fähnlein begehrt. Man hätte sich auch versehe»,daß die Büildner sich der Sache, die sie und nicht die zwei Städte berührt, mit mehr Ernst angenommen,lind den ausgewichenen Soldaten nicht auch Anlaß zu ihrem Abtritt gegeben hätten, v. Nach der Abreistdes venetianischcn Ambassadvrs theilt Vieo Livnello mit, die 'Herrschaft Venedig werde dem König von SP»'iiieu das Veltlin nicht lassen, sondern eher ihren ganzeil Stand in Gefahr setzen. Damit die zwei Stadlsdas Ihrige auch thuu und zu ihrem Volk stoßeil können, anerbiete sich die Herrschaft Venedig, 10,0^Mann Zil Fuß und 1000 Reiter zu stellen; diese werde sie durch der zwei Städte Gebiet uud die Bünde l»das Veltlin führen und auch selbst besolden, doch solleil die zwei Städte um des Namens willen mich etwasdabei thuu. Wenn die fünf Orte den Paß sperren oder Krieg anfangen, so dürfe mau das Volk im Not-fall gebrauchen, und Venedig werde den größern Theil desselben besolden. Die Gesandten Berns theile»Zürich den schriftlichen Vortrag mit, den Lionello bei ihnen gehalten hat. Weil in deinselben des anerb^tencn Volks nicht erwähnt wird, hat Bern hierüber keinen Befehl. Die Sache wird gls gefährlich lind vo»großer Wichtigkeit zu reiflicher Erwägung in den Abschied genommen. Bei Herrn Lionello soll darum »>»gehalteil werden, daß er seinen Vortrag schriftlich eingebe, damit mau sich auf nächster Taglcistung zu Badc'»desto besser erklären könne. Sollte Venedig außerdem begehren, daß die zwei Städte noch mehr Volk i»die Bünde schicken, so erwartet mau, daß es, da ihm am Veltlin sehr viel gelegen ist, dasselbe auch bei-den werde, t. Straßburg hat bei diesen gefährlicheil Läufen ein Hülfsbegehren an Zürich und Bern ist'richtet. Zürich will dasselbe erst nach bevorstehender Tagleistung beantworten. Bern hat geglaubt,habe bereits geantwortet; Aa es aber noch nicht geschehen ist, so wünscht es sofortige Beantwortung, da»»^Straßburg hernach desto minder über beide Städte sich zu beklagen habe.

Zu I». Von Porta und Alexius wurden an denKönig, die Fürsten und Stände der Union evangel'"

scheu Glaubens im obcrn und Niedern Deutschland" abgeschickt. Ihre Instruction und das Begleitschreiben'