1270
December 1616.
ganz geringem Respect gehalten werden und habe der Sache nur geschadet, indem Seine Heiligkeit ihnen zu ver-stehen geben wolle, daß sie sich in diesen und andern Dingen nichts vorschreiben lassen wolle; der Erzbischoshabe nichts so übel empfunden, als daß die katholischen Orte sich in die Sache gemischt, und wolle von keinemgütlichen Mittel mehr etwas hören, während es doch vor Gott und aller Welt billig und erlaubt sei, daßchristliche Kinder sich ihres Vaters und Hirten annehmen; wenn dem Bischof von Constanz nicht geholfenwerde, so werde er auch die Mittel nicht haben, seinen Pfarreien zu helfen, wie sich dieses bei der PfarreiGlarus zeige, da doch mit den so vielen tausend Gulden Einkommen der Dompropstei nicht allein der Haupt-kirche, sondern auch vielen andern armen Pfründen zur Ehre Gottes und Äufnung des wahren Glanbensgeholfen werden könnte, wie unter vielen andern das Beispiel der Pfarrei Mühlheim im Thurgau zeige, welcherder Bischof für Einführung der katholischen Religion einige tausend Gulden gespendet habe und wo er nochbis heute den katholischen Priester fast ganz erhalte; dieses und Anderes hätte man in Rom billig bedenkensollen; der Erzbischos von Salzburg bekenne in einein neulichen Schreiben an das Domcapitel zu Constanzselbst, daß er in Rom die Vcrmöglichkeit der Stift Constanz vorbringen lassen habe, daß nämlich der Bischosjährlich über 50,000 Gulden zu verzehren habe, daß mit dessen Einkommen wohl fünf Bischöfe auskommenkönnten, daß also der Papst nicht Ursache habe, der Stift zu helfen; mit diesem Vorgeben habe der Erzbischosnicht nur für dießmal, sondern für alle Zukunft die Wohlfahrt der Stift gehindert; darum sei nun viel darangelegen, daß Seiner Heiligkeit zu rechter Zeit diese Einbildung benommen und die gründliche Wahrheit zurKenntniß gebracht werde, nachdem sie von des Bischofs Anerbieten, sie möge durch Commissarien die Rech-nungen und den Vermögensbestand der Stift untersuchen lassen, keinen Gebrauch gemacht habe; man solltedaher in Rom eine Audienz zu erlangen suchen, um den Papst über die Sache gründlich zu informiren; derBischof hoffe, die katholischen Orte werden sich gegen ihre Mutterkirche treu und eifrig erzeigen; nndweil es nun an dem liege, daß er nnd sie für wahrhaft oder unwahrhaft angesehen werden, so ersuche er sie,die Sache dahin zu Mitteln, daß nichts unterlassen werde, was zu Feststellung der Wahrheit und Rettungihrer Aller Ehre und Reputation diene, auf daß Seine Heiligkeit einmal sehe, wer recht und wer unrecht ge-handelt und geschrieben habe; nicht nur habe das Domcapitel voriges Jahr dem Nuntius ausführlich nach-gewiesen, daß der regierende Bischof sein eigen Hab nnd Gut zum Nnzen der Stift verwende, daß er aberseines geringen Einkommens und der Armuth des Bisthums wegen dessen große Schuldenlast nicht zu besei-tigen vermöge, sondern es habe sich auch zur Zeit des Bischofs Hallwyl in Rom beklagt und urkundlich be-wiesen, daß dem Bischof nicht 2000 Gulden übrig bleiben, „seinen Standt zu führen," das Seminar aufzurichtenund andere bischöfliche Obliegenheiten zu bestreiten; ob nun das Domcapitel wiederholt die Unwahrheit ge-schrieben, oder ob die von Eins des Bisthums Einkommen, Stand nnd Wesen besser kennen, als der Bischofund das ganze Domcapitel, könne jeder Verständige selbst ermessen; was ferner das Vorgeben des Erzbischofsvon Salzburg betreffe, daß der Bischof versprochen habe, der Domstift Schulden abzuzahlen, und daß erhauptsächlich aus diesem Grunde erwählt worden sei, so habe man dem Erzbischos in einer besondern Schriftgeantwortet, daß dieser Anzug eigentlich das Domcapitel berühre, als wenn es bei der Wahl mehr auf des BischofsSekel als auf andere Qualitäten gesehen hätte, oder als wenn verbotenes Practiciren mit unterlaufen wäre;da aber weder der Herr Erzbischos noch sein Bruder bei der Wahl gewesen, so könne es ihre Unkenntnißentschuldigen; im Übrigen erkenne sich der Bischof schuldig, der Stift ab den Schulden zu helfen und bereuNnzen zu fördern und Schaden zu wenden, auch habe er seinen Eid besser gehalten, als Andere, welche das