Juni 1611. 1055
772.
Verhandlung wegen der Streitigkeiten zwischen beiden Grafschaften Luggarus und Vellenz.
Luggarus. 1611, 16. Juni.
Staatsarchiv Lnccrn! Ennetbirg. Abschicdc VI. 18k>.
Gesandte im Namen der XII Orte: Hans Ulrich Keller, des Raths von Zürich; Hauptmann Jost^aft, des Raths von Lucern; Hauptmann Heinrich Trösch, des Raths zu Uri; Hauptmann Gilg FrischherzEchwyz, anwesender Commissär zu Bellcnz.
Die Gesandten eröffnen den Depntirtcn der beiden Grafschaften Folgendes: 1. Vor einigen Monaten seik» XII Orten hinterbracht worden, wie dem Trausport der Kaufmannsgüter von Seite der Luggarner Hin-risse in den Weg gelegt und den ordentlichen Factoren sowie auch fremden und einheimischen Personen einelang der Paß versperrt worden sei, was zu großem Nachthcil jezt und für die Zukunft gereiche, indemsolche Jnconvenienz die Güter auf andere Straßen leiten würde; daneben werde die Landstraße auf Lug-^"ergebiet so schlecht unterhalten, daß die Güter ohne großen Schaden nicht durchgeführt werden können und^ unter freiem Himmel dem Unwetter und der Entwendung ausgesezt seien. 2. Johann Peter d'Anoni vonEhland und andere Kaufleute hätten zwar viel über erlittenen Schaden an ihren Gütern aus angegebenenlachen zu klagen, begehren indeß nur, daß für die Zukunft geeignete Maßregeln getroffen werden. 3. Weil^ Zwischen beiden Grafschaften Luggarus und Bellenz im Jahr 1569 an einem Moosgraben aufgerichteterarchstei,, in Gefahr stehe, vom Tessin weggespült zu werden, so sei dringend uöthig, ihn an einen sicherern^ zu versezen. 4. Ebenso sei augenscheinlicher Mangel an der Landstraße oberhalb Magadino, wodurch^ und Güter öfters zu Passiren gehindert werden, ja oft in nicht geringen Schaden kommen. — Daraufwge» Parteien, nämlich im Namen des Raths zu Luggarns dessen Kanzler und Redner Franciscus^ ^lv, und im Namen derer von Bellenz Lieutenant von Mcntlen, Statthalter Molo, Julius Molo und^ 'wschreiber Troger, und Namens der Kanfleute Anoni und Mithaften deren Bevollmächtigter ihre RedenAntworten der Länge nach vor, wobei der eine Theil die Schuld aus den andern zu wälzen sucht undVilich der Redner von Luggarns die eingetretenen Hindernisse des Passes durch die nöthigen Vorsorgendie zu Faido und Jrnis damals ausgebrochene Seuche erklärt, welche Vorsorgen man im Interesse des
swdcls und des guten Vernehmens mit dem Herzogthum Mahland habe treffen müssen; sobald Maylandübe
^ ^ire" (die Sperrung anfhebe), werde Luggarus es auch gerne thun; wenn es aber ohne Wissen und Willen^iirde
Alands den Paß öffnen würde, so hätte dieß nichts Anderes zur Folge, als daß auch Luggarus suspendirtZs ^vvon Bellenz eben auch keinen Nuzen hätte; wegen des Marchsteins habe die Landschaft mit ihren
Bellenz keinen Streit und es sei ihr gleichgültig, ob der Stein versezt oder an seiner gegen-HWn Stelle belassen werde; was endlich die Straße anbelange, so sei dieselbe auf Luggarnergebiet wohl zu^>rd Wassergröße eintrete. — Nach Anhörung der Reden und Antworten auch der Gegenpartei
plannt: 1. Man könne nicht finden, daß die von Luggarns an der Verhinderung der Güter irgend eine^ ^s>en, da lediglich die wegen des „Sterbens" angeordneten Maßregeln die Veranlassung dazu gegebenH vielmehr haben sie ihr Möglichstes gethan zu Schirmnng des Vaterlandes und zu Osfenhaltung des^ ^wrciums mit Mahland; wen» die von Bellcnz und andere anstoßende Landschaften vom Herzogthum^c»,d liberirt werden, sei ihnen gegen Luggarns aller Paß frei und offen; weil indeß der Hauptanstand