Mai 1600.
Doniherren das Einkommen beziehen; die Landleute werden mit so gar ungeschiktcn Seelsorgern versehen, vondenen einige kümmerlich lesen und beten können, und es werde sonst noch der Gottesdienst schlecht verrichtet;die meisten Kirchen, besonders jene im untern Theil des Landes, seien mit den gewöhnlichen Zierden, Ge-mälden, Bildern u. dgl. so übel versehen, daß man, wenn man celebriren will, Kerzen und anderes noch zu-sammensuchen muß; die Paramente und zum Altar gehörigen Gefässe werden zudem so unsauber gehalten, daßes großes Ärgerniß gibt; den Predigern werde auch wohl vorgeschrieben, in der „offenen Schuld" Maria unddie Heiligen auszulassen; es finden fremde, „verloffne" Cleriker, die man wegen ihres Wandels oder wegenUntanglichkeit sonst nirgends duldet, bei ihm Unterkommen und werden ordinirt; bezüglich der Bücher werdekeine Inquisition gehalten, an guten katholischen Büchern sei großer Mangel, dagegen finde man überall „cal-vinische sectische" Bibeln, verbotene Schmähschriften, Gemälde und ^Abcontrafactnren" wider den katholischenGlauben und die geistliche Obrigkeit; in Glaubenssachen werde gegenüber den Laien kein Ernst beobachtet,sondern durch die Finger gesehen, ja es seien selbst am Hofe solche Leute, welche die wichtigsten Stellen be-kleiden und denen man am meisten sollte vertrauen können, die aber nicht katholisch seien und dazu den Bischofso „verstrickt" halten, daß nicht einmal die Gesandten der katholischen Orte sich mit ihm allein besprechenkönnen; während früher sowohl wie jezt wieder mancherlei böse Practiken zum Nachtheil der katholischen Re-ligion sich bemerkbar gemacht, habe man erwartet, der Bischof werde den katholischen Orten oder wenigstensderen geheimen Rüthen öfter darüber Mittheilung machen, wozu man ihn nochmals ermahne; da man ihmfrüher schon als Maßregeln zur Erhaltung der katholischen Religion und zur Berhütung der Secten vorge-schlagen habe, die Landleute sollten ihre Söhne nicht mehr in sectische Schulen schiken, es solle Niemandengestattet werden, ans der Landschaft zu den Sectischen zum Nachtmahl zu gehen, Predigten anzuhören oderdie Kinder „vff Sectisch" taufen zu lassen, es solle keinem sectischen Prädicanten im Lande Aufenthalt gestattetwerde», das Bad (Lenk) sollte mit einem guten Priester und Prediger versehen werden, so fordere man ihnnochmals dazu auf und bitte ihn, mit Nachdruk diese Verbesserungen durchzuführen und dahin zu trachten, daßein Capuzinerkloster im Lande errichtet oder einige Jesuiten aus dem Collegium in Freiburg missionsweisedahin berufen werden; vom Nuntius habe man überdieß gute Hoffnung erhalten, daß einige begabte Landes-kinder, welche Geistliche zu werden versprechen, auf katholischen Schulen erhalten würden; schließlich bitte manden Bischof und das Domcapitel, dahin zu wirken, daß die Landschaft den neuen Kalender endlich einführe,gleichwie die andern katholischen Stände der Christenheit schon gethan haben.
Nachdem die Gesandten diese allgemeinen und besondern, auch geheimen Instructionen gehörige» Ortseröffnet haben, erhalten sie von Bischof, Domcapitel, Landeshauptmann und den Nathsboten aller siebenZehnten folgende Antwort und Resolution: Sie danken vorab ihren Bundesgenossen und Mitbürger» für denfreundlichen Gruß und wohlwollende Gesinnung, uüd anerbieten dieselbe Treue und Freundschaft; man mögees ihnen nicht verargen, daß sie den Gesandten in ihren: Begehren nicht entsprechen können, von Zehnten zuZehnten zu reiten und vor den Landsgemeinden ihren Vortrag zu eröffnen, weil dieses ganz und gar wideralte Bräuche und Landesordnungen sei und die Landschaft, obgleich in sieben Zehnten abgetheilt, doch nurEinen Corpus bilde und einen einzigen Fürsten und hohe Obrigkeit habe, nämlich den Bischof, Landeshaupt-mann und Landrath aus Abgeordneten aller sieben Zehnten und aller Gemeinden, welche sämmtlich die Landes-sachen berathen und darüber entscheiden, wenn auch ganz wichtige Angelegenheiten schriftlich jedem Zehntenmitgetheilt zu werden pflegen. Was das Bündniß mit den III Bünden anbelange, so haben sich der Bischof