19In jenen Zeiten gingen einige gar so weit, daßsie den Wörtern Moral, moralische Predigten undmoralische Katechisationen eine gehässige Neben-bedeutung gaben und die Verkündiger der Sitten-lehre des Evangeliums mit einem verächtliche Tone„Moralisten oder auch wohl „Prediger derbloßen natürlichen Religion, nannten, um siehierdurch bey den Kurzsichtigen desto sicherer umihr Ansehen zu bringen. Wir wollen gerne glau-ben, daß dieses Benehmen bey sehr vielen aus demgänzlichen Mangel einer genauen und gründlichenBekanntschaft mit dem Geiste der christlichen Sit-tenlehre entstand; bey Einigen mochte aber auch wohldie Betrachtung hinzukommen, daß die so verhaßteSittenlehre ihr schlummerndes Gewissen aufwecken,sie uͤber manche ihrer verborgenen Thaten erleuchten,und es ihnen zur Pflicht machen möchte, mancheLieblingsneigung zu unterdrücken. Daher suchte mandas fernere Vordringen und die größeren Fortschritteeines Lichtes zu verhindern, dessen Strahlen so be-schwerlich fielen, dessen Glanz so beunrußigend wurde.Wie dem auch sey, Euer verdienstvoller Pre-diger Janssen wagte immer sehr viel, in einemsolchen Zeitpunkte, unter solchen Umständen undbey dieser Denkart Eure Jugend öffentlich in derSittenlehre zu unterweisen. Die unverdienten Krän-kungen, welcher dieser Unterricht ihm zuzog, ertrug
Druckschrift
Das pflichtmäßige Andenken an würdige Religions-Lehrer : eine Predigt bey der Amts-Niederlegung des Herrn Predigers Johann Wilhelm Janssen gehalten am 27. Junius 1802 in der reformirten Kirche zu Düsseldorf ; nebst einigen angehängten Notizen über die allmählige Entstehung und fernere Ausbreitung der dortigen reformirten Gemeinde und einem Verzeichnisse aller Prediger derselben von 1584 bis 1802
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