Hierin haben wir die Ehre befleckt, hierin haben wir dasOpfer unserer Gefallenen selbst verleugnet, als ob sie umWillkür oder Nutzen und nicht um die schwerste Not desVaterlandes geopfert wären, hierin haben wir uns dem Ur-teil aller Völker preisgegeben, und dafür müssen wir dort dieSühne suchen, wo wir die Schuld begangen haben: in unsselbst. Daß wir hier nicht widerstanden — und keine Notdurfte uns zwingen, uns selbst und unsre Toten mit Schmachund Lüge zu bedecken —, fordert Selbstbesinnung bis in denletzten Grund der Herzen, bis in das Wesen dessen, was wirgemeinsam haben und sind. Wenn auch bald, schon kündetsichs an, die Lüge der Feinde von unserer Schuld als Blend-werk hinfällt — unsere eigene bleibt, als Zeichen dafür, daßwir in Glück und Wohlfahrt nicht den Warnruf unsererRichter, daß wir in Glanz und Macht, in Reichtum und Wissennicht den Heimruf unserer Seher, daß wir im blindwütigenBauen am Turme der Sachwelt nicht das Fordern unsererDichter an unser göttliches Teil mehr hörten und faßten unddann in der Stunde des Unheils und schwerer Entscheidungdie Richte der Edlen verloren: die Heilige Ehre.Nicht neue Ordnung alter Bünde, nicht dürftiges Flicken amalten Bau, nicht Abwälzen der Schuld vom einen zum andern,nicht Klittern und Kritteln hilft uns mehr, und hart klingtdie Stimme des Rheines aus Elend und Schmach:Der ganze stamm der lebenden der hinfuhrDurch lange irrsal wird vor seinen götzenDie ihn in staub und niedrigkeit geworfenSo oft sie lügen immer weiter räuchern,Hat seines daseins oberstes gesetzHat was ihm den bestand verbürgt vergessenGlaubt an den Lenker nicht, braucht nicht den SühnerWill sich mit list aus dem Verhängnis ziehn.Noch härtre pflugschar muß die schölle furchenNoch dickrer nebel muß die luft bedräun . . .Der blassest blaue schein aus wolkenfinster
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