freilich noch immer auf friedlichem Wege erreichbar, aber derharte Kanzler, der neben den materiellen Kräften auch nochdie staatlichen Spannungen unter den Völkern kannte, zer-riß diesen letzten Schleier von altem Schwärmergeist und neuerHändlerfeigheit und belehrte sie bald, daß die Erringungjener Wirklichkeiten auf der rauhen Ebene von Blut und Eisenspielte: willig-widerwillig mußten sie das Reich als Schlachten-lohn aus seinen Händen nehmen, das als Macht nicht als innererKörper ihr Wunschbild war. Bismarck hatte sein zerrissenes Volknicht fragen können, welche Formen es seinem neuen Körperwünschte, er hatte, von Gefahren drinnen und draußen stünd-lich umlauert, in sieben Jahren zusammengeschweißt, wassiebenhundert zerbröckelt hatten, ihm war im Angesichtevon Straßburg, vor den Trümmernarben von Speier und Wormsder Zorn der Vergeltung und Rache aufgeflammt, er hatteals der wenigen einer die tiefste Gefahr am Rheine begriffen,als der Württemberger ihm Süddeutschland unter den dro-henden Schatten der Festen von Straßburg und Breisachzeigte, er hatte ohne romantischen Traum und ohne west-liches Blendbild die Kräfte genutzt, die er vorfand: Fürsten-geschlechter und Volksideen, Teilstaaten und Einheitswille,Bundesrat und Wahlparlament. Wenn die Klage zu Rechtgilt, daß sein deutsches Reich unsäglich dünn an geistigemGehalt, selbst unsäglich flach an innerem staatlichen Lebenwar, trifft mehr unser Volk die Schuld als ihn, der nur erstden freien gesicherten Raum nach außen und innen zu schaffenhatte: man darf „vom treuen Diener seines Herrn", mandarf von Hagen von Tronje nicht das Strahlenauge des Sieg-fried noch das Saitenspiel des Volker von Alzey fordern.Der Täter kann niemals warten auf die Entwicklung einervollkommenen Welt oder den reifen Augenblick für die reinsteVerfassung, er wirft die Würfel der Zeit und mischt sein Spielaus den gegebenen Kräften.
Nicht sie alle überschaute Bismarck freilich in dem verwirr-ten Gefüge des deutschen Wesens: er überschätzte die Kraft
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