In Karl erhob sich die neue Einheit zum ersten Male in einemgroßen Menschen zum Bewußtsein einer geistigen Aufgabeund einer staatlichen Tat. Der christliche Franke nahm denKaisergedanken am Rheine auf und gab dem leiblos gewor-denen römischen Reiche mit dem festumrissenen staatlichenRaum eine neue Wirklichkeit, die ein Jahrtausend das Schick-sal der Deutschen bestimmte. An die rheinische Mitte bander die Sachsen, Engern und Nordalbinger, knüpfte die Thü-ringer, Bayern, Schwaben und Alamannen fester und zogüber Eider, Peene, Theiß nach Italien und Spanien hinüberden ungeheueren Kreis des Heiligen Reiches. In die weltlicheHerrschaft bezog er die Kirche enger ein, und wenn er mit ihrdie sinkenden Künste und Wissenschaften der alten Welt zubeleben, in Hof- und Klosterschulen die Keime erneuerterBildung zu pflegen suchte, so wahrte der Franke in ihm nichtminder das eigene Vätererbe, ließ die Lieder der Taten undKriege der Könige sammeln, gab Monden und Winden deut-sche Namen und befahl, die heiligen Schriften in deutscherSprache zu schreiben. Seine Aufgabe: antikes Wissen undKönnen, christliches Glauben und Lehren, germanischesBilden und Wirken in Eins zu schmelzen, blieb die der kom-menden Geschlechter, und ihre Lösung war um so schwererfür die jungen Erben der alten Welt, weil einmal der gewaltigeRaum des Imperiums über die Grenzen des engeren Volks-tums weit hinausgriff und sie ihn jahrhundertelang mit immerneuen Menschenopfern herrscherlich behaupten mußten, undweil zum andern der zweite Erbe Roms, die katholische Kirche,den gleichen Anspruch geistlicher und bald auch staatlicherBeherrschung dieses imperialen Raumes machte und so,was sie an universaler Bildung gab, zugleich an Sondergut undselbstbestimmendem Willen dem Volke zu nehmen drohte:der Deutsche also mußte mit und trotz Rom wachsen, umsich selbst zu behaupten und zu seinem schönsten Eigen-wuchse aufzureifen. Das ist der Sinn des gewaltigen Kampfeszwischen Kaiser- und Papsttum, dann in verwandelter Form
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