zwischen Reformation und Gegenreformation und heutenoch zwischen germanischer und romanischer Welt. Dasist der Sinn der Krönung Karls: dem mächtigsten Kaiserdrückte der Papst die Krone aufs Haupt — des Wechselspielsvon gegenseitiger Demütigung zwischen Heinrich und Gre-gor : der büßende Kaiser siegte in Kanossa für den Augenblick,aber der verbannte sterbende Gregor siegte in Salerno über dasKaisertum ■— das ist der Sinn auch Luthers in Worms vordem Papstlegaten und päpstlichen Kaiser: der Deutsche be-harrte, aber besiegte Rom nicht — und auch noch des letztenKampfes zwischen Bismarck und der Kirche: der nordischeRecke, der selber dem Kaiser die Krone aufs Haupt gesetzt, ver-sagte noch einmal vor dem geistigen Willen der römischenKirche. Der Gegner also stand drinnen und draußen, war Freundund Feind zugleich und wird es bleiben, bis die deutsche Gestaltder antiken ebenbürtig, der romanischen weit überlegen und derchristliche Glaube in unser Volkstum restlos verschmolzen ist.Der innere Schauplatz dieses riesigen Geisterkampfes warunabgrenzbar, umfaßte die ganzen Gebiete des Lebens vomGlauben bis zum Wissen, vom Recht bis zur Wirtschaft unddrückte den Zeiten und Völkern das wechselnde Merkmal seinerSpannungen auf. Der äußere Schauplatz, die Grenzen desHeiligen Reiches rückten im Süden ein Jahrtausend und längerbis ans Mittelmeer, ja in der äußersten Spannung der Kreuz-zugszeit bis tief ins Morgenland vor, wurden im Osten bis weitin die Länder der Slawen und Ungarn getragen und blieben imWesten nach einigem Schwanken seit dem neunten Jahr-hundert mit breiten westlichen Uferstreifen über Scheideund Maas und später selbst über Saone und Rhone gelagert.Fast ein Jahrtausend herrschten die Deutschen in diesen Gren-zen, und wenn nach dem Untergange der Staufer die Markenim Süden und Westen langsam zu zerbröckeln begannen,so blieben doch große Rechte des Reiches jenseit der Alpenund jenseit von Scheide und Maas noch bis ins letzte Jahr-hundert bestehen — fast ein Jahrtausend also war der Rhein
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