wenn Entzweiung dem Feinde Gelegenheit bot, unsre Grenzenzu sprengen, die Entzweiten zu verwirren und dann den einenund andern den Druck und allen die Schmach der Knecht-schaft fühlbar zu machen. Größe und Elend, Blüte und Ar-mut spiegelt das Schicksal des Rheines für unser ganzes Land,Aufstieg und Absturz des ganzen Volkes hingen und hängendaran, ob wir sein Ufer zur Tenne unserer Zwiste gemachtoder in ihm das unverletzbare, allen geheiligte und von allenverteidigte Kleinod der Eintracht und Stärke sahen.Nun schon jahrtausendelang ergießt sich von ihm ein un-unterbrochener Strom von Schönheit und Kraft überDeutschland hin, der unsre großen Erinnerungen trägt,unsre edelsten Hoffnungen nährt: „Hier an beiden Uferndes Rheines," so umriß einst Arndt seine heimliche Wir-kung, „in diesen Landen hat sich das Germanische mittenin allen Stürmen der Jahrhunderte, in allen Umkehrungenund Wechseln der Völker immer zusammengedrängt erhalten,ja es ist gerade durch die Stürme und Wechsel derselbenfester zusammengedrängt worden, ich möchte sagen, es istgediegener und dichter geworden . . . Von da sind unzeigbar,unscheinbar die zarten und geheimen Geister des deut-schen Wesens in alle Lande ausgeflossen: aus diesem ver-borgenen Feuermeere sind die Funken ausgesprüht, die biszur Ostsee und bis zu Polen, Ungarn hin das lebendig erhielten,was deutsch genannt werden durfte."
Schon sein erstes Erwachen im Licht der Geschichte bestimmtesein und unser Schicksal: kein größeres Geschehen vermochtedie Erde dem werdenden Strome zu bieten als die Schlachtender Herrin der Welt, der siegalten Roma, mit den jungenruhmbegierigen Herren der Welt, keine tiefere Wende alsden Endkampf der Götter mit dem Glauben des Kreuzes.Unlöslich verschlangen sich hier im Rheinland die Wurzelnunsrer inneren und äußeren Bildung, wuchs der jugendlicheLeib der Germanen mit Antike und Christentum innig zu-sammen, um aus Streit und Verstrickung, Kampf und Liebe
102