barste und den Vorvätern wie Vorbildern mit solcher Ehrfurchthingegebene Herz mit der größten Liebe gerade die Kühnen,die Aufbruchbereiten, „die Zerbrecher alter Tafeln" umfaßteund selbst mit jugendlicher Kühnheit — hierin den dichteri-schen Gegenrhythmus zu Goethe im deutschen Geiste bildend— das Recht der Umkehr, das Verlassen des Alten um derneuen Schöpfung willen verkündete. Hölderlin ist unter allenGeistern des neuen Europa der tiefste, leidenschaftlichste undscharfsinnigste Verfechter des revolutionären Rechtes: frei-lich wie schon sein Begriff der ,Umkehr' uns bedeutet, nichtdes unbedingten Rechtes auf Umwälzung oder Umsturz imSinne der bloßen Verneinung oder Vernichtung sondern desbedingten Rechtes auf Befreiung von erstarrten Gebilden,vertrockneten Einrichtungen, leergewordenen Glaubensfor-men um neuer lebendiger edlerer schönerer Gestaltung willen.Seine größten Werke Hyperion und Empedokles, die meistender gewaltigen Hymnen und die gedankenschweren Prosa-stücke sind ihrem staatlichen Gehalte nach ein einziges Ringenum die sich schneidenden Gegensatzpaare von Erbe undJugend, von Freiheit und Gestaltung auf dem Boden des Vater-lands. Hyperion ist als der Versagend-Untergehende dar-gestellt, weil er trotz erlangter tieferer Gewißheit über dieUm- und Neubildung des Edlen, trotz der Warnung durchdie göttliche Geliebte der Gestaltung seines Volkes durch denAkt der äußeren Befreiung vorgreift und seine Kräfte vor-zeitig verschüttet, Empedokles als der Siegend-Untergehende,weil er den Frevel seiner Gotteinssetzung, das heißt der höch-sten irdischen Vergegenwärtigung des unendlichen immerjungen Lebens mit seinem persönlichen Leben bezahlt, durchdieses Opfer die Kühnheit seines Frevels als Gesetz des Leben-digen rettet und vor seinem Tode dem Volke als höchste Richteverkündigen darf: als Gesetz der freiwilligen Selbstverjüngungdes Vaterlands I
Nie ist den Deutschen glühender, unbedingter und zugleichehrfurchtsvoller gesungen worden, daß aus dem Sterben des
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