sollte, so wünschte er, daß das Kind nur reinen Ursprungssei und das Reinentsprungene bewahrend ungestört in seinerknospenhaften Hülle aufwachse: nicht zu wenig und nichtzu viel umhegt, damit es sich nicht zu früh von seiner Umweltunterscheiden lerne, ja so spät als möglich erfahre, „daß esMenschen, daß es etwas außer ihm gibt, denn so nur wird erMensch. Der Mensch ist aber ein Gott sobald er Mensch ist.Und ist er ein Gott, so ist er schön."
Dem Knaben wünschte er, daß ihm ein edler Geist als liebenderErzieher auf seinem Wege begegne, mit dem er „goldeneunvergeßliche Tage, voll von den Freuden der Liebe und süßerBeschäftigung" verbringe, der ihm mit zarter Hand die Lehreder Götter offenbare, ihn durch die Heldenwelt der großenvorbildlichen Menschen führe, die Künste von Zahl und Maßmit ihm übe und in den Stunden der Muße auf Berg und Tal,in Heide, Wald und Wasser mit ihm die frohen jugendlichenSpiele treibe. In Adamas und Hyperion, Empedokles undPausanias hat er selbst, wenn auch in gereiftester Form, unssolche Paare von Erziehern und Schülern gezeichnet, wie sieGoethes Wilhelm Meister, Jean Pauls Titan und all unserebesten Bildungsromane durchziehen und den höchsten Sehn-suchtswillen unserer geistigen Führer verraten.Für den so gebildeten, in allen Kräften rein erhaltenen Jüng-ling ersehnte Hölderlin dann vor allem Freundschaft undKampfgenossenschaft des Gleichen, des Dioskuren, des hel-dischen Partners, der mit der Strenge des Minos und der Gluteines Halbgotts liebe, der mit dem Freunde die Begierdenach Ruhm und die Begeisterung für Ehre, die Feste des Jahreswie die Gefahren des Kampfes teile, einer den andern im Eifernach dem schönsten Tun und edelsten Leben befeuernd. Ansolche Freundespaare knüpft er die Hoffnung einer erneuertenWelt auf dem Boden des Vaterlandes: in ihnen werde die ur-sprüngliche pflanzenhafte Schönheit des Menschengeschlechtesals geistige Blüte wiedergeboren: am geistigen Bilde der ver-jüngten Gottheit würden die Freunde sich wieder erkennen
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