brauchen. Deutsch will und muß ich übrigens bleiben, undwenn mich die Herzens- und Nahrungsnot nach Otaheititriebe".
Keiner hörte weder Klage- noch Jubelruf dieser deutschestenStimme, mehr als ein Jahrhundert haben seine vaterländischenHymnen unerkannt und unverstanden als totes Gut in Büchernund Archiven gelegen, und erst der Dichter unserer Tagehat sie mit dem ganzen strahlenden Erbe unseres Geistes,das im Wust einer Götzen-Sachwelt zu versinken drohte,wieder emporgehoben. Welch ein Geschlecht und welch einJahrhundert muß das gewesen sein, das die schönsten Lauteunserer Sprache, die höchsten Bilder unseres Wesens, dieVerkündigung unserer größten Hoffnungen nicht mehr er-faßte! Ich kenne kein Volk in den vergangenen Jahrtausen-den noch ein lebendes um uns auf Erden, das so wie unserdeutsches die Stimme seiner Besten zu überhören vermöchte,und nur daß die Gottheit noch immer wieder Genien aus unse-rem Blute erweckte, die zürnend das Träggewordene auf-stießen, liebend das Verlaufene sammelten, schöpferisch dasVerborgene ballten, hat uns bis heute vor völligem Untergangebewahrt und läßt uns hoffen, daß wir noch einmal den Bändigerund Bildner unserer Gemeinschaft finden werden.Wir tragen also — denn jeder ist verantwortlich für das ganzeVolk — einen Teil unserer eigenen Schuld ab, wenn wir vonHölderlin sprechen, und wenn wir von Hölderlin sprechen, spre-chen wir im höchsten Sinne vom Vaterland. Sein Geist istso sehr die Stimme unseres Landes und Volkes, unseres Erbesund Wunsches, daß jede Zeile seiner Dichtung oder Prosevon unseren eigensten Nöten und Freuden spricht, daß sieunmittelbar auszudrücken scheint, was wir als Kind geträumt,als Knabe und Jüngling ersehnt, als Mann zu verwirklichentrachten und noch was der Greis als weisen Rat den Geschlech-tern nach ihm zu hinterlassen sucht.
Wir müssen daher, um zu begreifen was sein Sein und Wirkenfür unser Vaterland bedeutet, das Bild seines Wesens und seiner
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