in der innersten Zelle spricht, in der er von Jugend aufgewirkt hat, was seines Amtes war: das hohe Reich der mensch-lichen Bildung, und da er unser, da er Deutscher war, somußte dieses Reich trotz aller weltbürgerlichen Anschauungs-weise seiner Zeit, trotz der Anschauungsweite ins Allgemein-Menschliche, in die Menschheit — auch das ist ja unseresWesens — mußte dieses Reich das der deutschen Bildungsein.
Aber eben dadurch war der Stoff, in den es zu gründen war,mit all den Mängeln und Härten, ja noch größeren behaftet,die auch einer staatlichen Einigung der Deutschen entgegen-standen, mit der religiösen, gesellschaftlichen und geistigenZersplitterung, welche die tiefsten Meinungen und Vorstel-lungen der Menschen konfessionell, landschaftlich, städtisch,ständisch, ja individuell auseinanderriß, kaum daß die Sprache,das Hochdeutsch, in den letzten Jahrhunderten eine gemein-same Oberschicht gefunden hatte. Denn als Goethe begann,herrschte ja das Französische noch als Bildungssprache inden oberen Ständen vor und war, wie er klagte, von den schönenLiedern eines Bürger, Voß, Klopstock und seinen eigenen imeigentlichen Volke nichts lebendig geworden. Aus diesemMangel an einer einheitlichen Luft entstand aber jene verderb-liche, unerträgliche Gleichgültigkeit der Deutschen gegen dieErzeugnisse ihrer bedeutenden Männer, daß Goethe einmalwünschte, ein Werk zu verfassen, um dessetwillen die Deut-schen ihn ,,so ein fünfzig oder hundert Jahre hintereinanderrecht gründlich verwünschten und aller Orten und Endenmir nichts als Übles nachsagten: das sollte mich außermaßenergötzen. Es müßte ein prächtiges Produkt sein, was solcheEffekte bei einem von Natur völlig gleichgültigen Publikumwie das unsere hervorbrächte. Es ist doch wenigstens Cha-rakter im Haß, und wenn wir nur erst wieder anfingen und inirgend etwas, sei es was es wolle, einen gründlichen Charakterbezeigten, so wären wir auch wieder halb auf dem Wege, einVolk zu werden".
4 Wolters, Reden. ._
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