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Vier Reden über das Vaterland
Entstehung
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Wie ist dieser Widerstreit zu verstehen, dieser Zwiespalt zuschließen?

Das Leben Goethes fällt in die Zeit der größten inner- undaußerstaatlichen Umwälzungen Europas seit der Völker-wanderung, in die Zeit der Erschütterung der christlichenOrdnung, der Bildung der großen und kleinen Nationalstaatenund Weltreiche, der Eroberung und Kolonisierung aller Erd-teile durch die germanisch-romanischen und slawischenVölker: kaum ein Jahr zwischen 1749 und 1832, das nicht vonErbfolgekriegen, Eroberungs- und Handelskriegen, Revolu-tionen oder Befreiungskriegen erfüllt wäre, kaum ein Jahr-zehnt, in dem nicht die Sturzwellen dieser Bewegungen rings-um in die Mitte Europas, in das alte heilige Reich zu rollendrohten, oder wie im Siebenjährigen Krieg, in den Revolutions-und Napoleonischen Kriegen wirklich über ihm zusammen-schlugen und mit den Kämpfen von Staat zu Staat auch dieinneren Kämpfe von Stand zu Stand, von Fürst und Volkin die erregten Länder trugen.

An allen diesen kriegerischen oder revolutionären Bewegungender erschütterten Welt hat Goethe vom Knaben- bis ins Grei-senalter den tiefsten Anteil genommen, ja wir können sagen,daß kaum eins als sein wissendes, von Menschengeschickenso leicht erregbares Herz von den Ereignissen der Zeit so wildbestürmt wurde und so schwer sich mühte, auch die fernstenund fremdesten Geschehnisse verstehen zu lernen. Für ihnwaren ja alle Erscheinungen der Natur und am meisten dermenschlichen Natur die eigentlichen Offenbarungen des gött-lichen Seins, und so betrachtete er auch die staatlichen Er-scheinungen mit jenem hohen Ernst, mit jener tiefen Wiß-begierde, die allen seinen Äußerungen und Werken das sitt-liche Gepräge des reinsten männlichsten Willens geben.Und zudem, er war kein Neuling oder Neunmalkluger in poli-tischen Dingen: er hatte immerhin die Rechte studiert undkannte die Praxis des Reichskammergerichtes, er hatte immer-hin zehn Jahre lang an der Seite seines Fürsten die Verwaltung

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