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Vier Reden über das Vaterland
Entstehung
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Wenn aber dem so ist, wenn Goethe so in uns lebt und weiter-wirkt und das wird nicht geleugnet wie sollte es möglichsein, daß dieser Mann, der weiseste unter den Weisen unseresVolkes, der feinäugigste und am weitesten blickende Geistunter den wahrlich weitschauenden Geistern unserer Väter,das wärmste und zarteste Herz unter den Großen, die unserLand geliebt haben, daß er unklug ja verstockt, irrig ja falsch,teilnahmslos ja gleichgültig in Sachen des Vaterlandes gedachtund gefühlt habe?

Müßte nicht jeder, der solches liest oder hört, sich sagen, daßein solches Urteil schon nach Goethes Stellung im Leben un-seres Volkes notwendig unrichtig sei, daß wir, selbst wenn derAnschein dafür spräche, eher sein Urteil über uns, als unserUrteil über ihn erfragen, daß wir ihn zum Richter über unserDenken und Handeln nehmen müßten, statt die jeweils inwirrer Zeit und im Streit der Parteien entstandenen Meinungenzum Richter über ihn zu setzen. Wir wenigstens wollen denrechten Ort zu gewinnen suchen, von dem unser Blick auchseine Liebe zu Volk und Land in die klare tiefe Eintrachtdieses großen Lebens einbezogen sieht.

Es ist wahr, der Vorwurf, wie wir ihn kurz umrissen, gegen ihnist alt. Nicht erst Gelehrte späterer Tage, nicht nur seinem Le-ben Fernstehende, sondern auch Freunde und Verehrer, be-deutende Männer wie Humboldt und Stein haben ihn erhobenund Goethe selbst hörte ihn oft versteckt oder offen aus demMunde derer, die ihm nahe waren, oder dem frechen Anwurfder Literaten seiner Zeit. Ja, er litt darunter und bis in diespätesten Jahre seines Lebens hat er meist vergeblich wieer selbst bemerkt doch immer wieder versucht, seine

Denkart zwar nicht zu rechtfertigen, aber zu verdeutlichenund als die ihm allein gebührende zu erweisen. Und haltenwir fest: daß er nie dem Vorwurf auch nur den Schatten einesRechtes zuerkannte, er der Rückhaltlosoffene in den geistigenBereichen seines Lebens, er der Wahrheitliebendste, der so gutsich selbst, seine Freunde und Feinde, seine Umwelt kanntet

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