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Vier Reden über das Vaterland
Entstehung
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Seite gestanden und die Not der Deutschen habe sein Herznicht gerührt, seinen reichen Geist nicht beschäftigt: dannkönnten wir ihn nicht, ja dann dürften wir ihn nicht zumErzieher und Ertüchtiger unserer Jugend, zum Befeurerunserer Männlichkeit, zum Trost- und Ratgeber unseres Altersnehmen, wie wir es doch tun, dann müßten wir trotz allerGlorie seines Dichtertums sein Werk und Wirken ausstreichenaus unserem Volke, das hohe Vorbild seines Lebens ausmerzenaus unserem Geiste und mit seinem Andenken unsere Liebezu ihm mit Schmerzen begraben.

Aber indem wir eine solche Vorstellung aufrufen, wird ihreUnmöglichkeit schon deutlich. Denn unser ganzes geistigesund geselliges Sein, unsere ganze Kultur, ist erfüllt und be-dingt von seinem Wesen und Wirken, tausend befruchtendeStröme sind von seinen offenen und verborgenen Quellen aus-gegangen und in uns geflossen, kaum ein Zweig unserer Künsteund Wissenschaften, deren Wurzeln nicht im Erdreich seinesreichen Geistes steckten, kaum ein Trieb des geselligen Lebens,der nicht aus seinen Bildern Nahrung zöge, und selbst im Staat-lichen, dem Gebiete, das man ihm verwehren will, ist dasheute Wirkende auf ihn gegründet. Man mag die Verfassungvon Weimar für gut oder schlecht halten, gewiß ist, daß inden Tagen der Erschütterung und Umwälzung nach dem Sturzder dynastischen Überlieferung die Anlehnung an die geistigeÜberlieferung, an die Goethesche Mitte, die einzige Stütze undRettung vor dem drohenden Chaos bot, und gleichgültig,ob diese Stütze Flickwerk oder Eckstein ist, der Name Weimargibt uns den einen Wink, wo allein noch Halt und Gehalt fürunser staatliches Leben zu suchen war.

Im Augenblick, wo die Sprengung alles Bestehenden drohte,war es den Klugen wie den Dumpfen klar, daß der Dichter derunerschütterte Hüter des Besten in uns war, und sie griffenauch im staatlichen Bereich nach seiner rettenden Hand.Mit welcher Verantwortung, werden wir an dem Bilde seinesLebens sehen.

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