hunderten siegreich aus den Umwälzungen hervorgehen,wird eine Bewährung gefordert, wie sie noch nie von Menschenund Völkern gefordert wurde. Da es aber unser Wille ist,diese Bewährung zu vollenden, so müssen wir zu unsererSelbstgestaltung Umschau nach Erziehern und Bildnern,nach Führern und Rettern halten, nach solchen, die uns nichtnur den nächsten Schritt gehen lehren und schon beim zwei-ten selber stürzen, sondern nach jenen Geistern, welche dietieferen Kräfte der Dauer: die Erzeugung im Stillen, das Be-harren im Sturm, die sichere Richtleite im Widerstreit derParteien und Mächte, den unbedingten Glauben an die Größeunserer Zukunft in uns wecken und wachhalten, kurz wirmüssen den Blick auf die großen Genien unseres Volkes rich-ten als auf die wahren Erzieher, die dem kleinen Streit desTages, dem Gezänk der Meinungen, dem Vorwurf des selbst-süchtigen Nutzens weit entrückt sind und deren Leben undWirken uns die Gewähr gibt, daß sich an ihrer Zucht und Lei-denschaft nur die reinen Flammen der Kraft und Liebe in unsentzünden.
In diesem Gedanken wollen Sie heute mit mir auf Goetheschauen, daß wir uns kurz vor Augen stellen, welche Hilfewir aus dem unerschöpflichen Schatze seiner Menschlich-keit für unsere Not gewinnen können und im besonderen,was er uns als Erzieher zum vaterländischen Denken be-deutet.
Aber wenn wir diesen Blickpunkt einnehmen, stoßen wir sofortauf schon vorhandene Widerstände für unsere Betrachtung.Denn trotz vereinzelter schöner Verteidigungen Goethes stoßenwir in alten und neueren Schriften, ja noch in neuesten Schul-und Lehrbüchern immer wieder auf den Vorwurf, unsergrößter Dichter habe den staatlichen Nöten unseres Volkesteilnahmslos, seinen Freiheitskämpfen fast feindlich gegen-übergestanden, sein Verhalten in schwerer Zeit sei unvölkischund unvaterländisch gewesen. Nehmen wir einmal an, derVorwurf gegen Goethe sei berechtigt, er habe hadernd bei-
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