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Vier Reden über das Vaterland
Entstehung
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in Rom, die im vollen Schmucke und mit königlicher Würdeden Tod erwarteten, wer kennt nicht den Todessprung desfestlichgekleideten Marcus Curtius in den offenen Abgrund,der sich auf dem Kapitol gebildet hatte, damit der Schlundsich über dem Edelsten was Rom besitze, über einem tapferentodesmutigen Jüngling wieder schließe, oder den Zweikampfder Horatier und Curatier oder die Todesweihung der Dezier,Vater, Sohn und Enkel, die alle drei als Anführer römischerHeere durch den freiwillig gewählten Schlachtentod ihremVaterlande den Sieg erfochten.

Genug der Beispiele! In all diesen Männern und Frauenlebte der eine Hauch, durch ihr vergossenes Blut ihrem VolkeFreiheit und Dauer zu geben und indem sie ihr Volk unsterb-lich machten, selber unsterblich zu werden. Denn so ruftFichte in den Reden an die deutsche Nation: was begeistertedie Edlen unter den Römern, deren Gesinnungen und Denk-weise noch in ihren Denkmalen unter uns leben und atmen,zu Mühen und Aufopferungen, zum Dulden und Tragen fürsVaterland? Sie sprechen es selbst oft und deutlich aus. Ihrfester Glaube war es an die ewige Fortdauer ihrer Roma undihre zuversichtliche Aussicht, in dieser Ewigkeit selber mitfortzuleben im Strome der Zeit. Inwiefern dieser Glaube Grundhatte, hat er sie auch nicht getäuscht: Bis auf diesen Taglebt das was wirklich ewig war in ihrer ewigen Roma und siemit demselben in unsrer Mitte fort und wird in seinen Folgenfortleben bis ans Ende der Tage.

Was aber sterblich war an der ewigen Roma sank mit ihrerVollendung in dem gewaltigen Imperium dahin. Wofür inGriechenland Alexander, dafür war in Italien Caesar das Zei-chen: die Kraft der Stadt- und kleinen Landschaftsstaatenwar erschöpft, die dichte fruchtbare Enge der ortgebundenenHeimat ging in der ungeheueren Ausweitung des Reichesallenthalben verloren und mit den örtlichen Sondergewaltenerloschen auch die örtlichen Götter und Kulte, an die sie ge-bunden waren. Ein einheitlicher Kaiserkult erhob sich über

2 Wolters, Reden. j,_