damit wir auf solchem Hintergrunde, der zugleich Urgrundaller übrigen Formen ist, den Sinn des Opfertodes für dasVaterland tiefer zu erfassen vermögen.
Dreierlei haben wir aus der Betrachtung der höchsten Art desOpfers gelernt: Es muß das Merkmal der Freiwilligkeit haben,es muß im Zeichen einer besonderen tiefverbundenen Ge-meinschaft geschehen und es muß endlich der Errettung oderErhaltung, Erweckung oder Erneuung des Lebens derer dienen,für die es gebracht wird.
Wenn wir nun den Tod für das Vaterland in einem schnellenAufriß durch die drei Jahrtausende unseres europäischen Kul-turkreises verfolgen, so werden wir unter all seinen mannig-faltigen Formen, welche die antike und die christliche Zeitbis auf unsre Tage hervorgebracht hat, diese Bedingnissewiedererkennen und von dem Schlachtentod ganzer Scharenbis zur heldischen Selbsttötung eines Kriegers, den weitestenund nur scheinbar unvereinbaren Polen des Opfertodes, diegleiche innere Gesetzlichkeit finden, die uns bei den größtenmenschlich-göttlichen Gestalten entgegentrat.Die klarsten und geschlossensten Bilder des Opfertodes fürdas Vaterland finden wir bei den Völkern des Altertums. Dennhier waren die günstigen Vorbedingungen wie kaum wieder ineiner anderen Zeit gegeben: kleine dichte Gemeinwesen vonüberschaubarer Größe waren die Heimat, der Einzelne warfest an diese Heimat gebunden, er wurde als Staatswesen,als Coxiv nofauxov, geboren, und wenn er mit wachsendemAlter alle Rechte und Pflichten seines Gemeinwesens ge-setzmäßig und ohne besondere individuelle Freiheiten aufsich nahm, so nahm er damit zugleich alle Freundschaftenund Feindschaften dieses Gesamtkörpers unausweichbar unddauernd auf sich. Die Fremde, das Elend lag nahe hinter denToren der Stadt, an den Grenzen der kleinen Landschaft, undin dieser Fremde war das Bürger- oder Staatsrecht fast nie-mals zu gewinnen. Der Verbannte oder Geächtete oder Flücht-ling wurde wurzellos, ihm stand die Welt nicht offen wie etwa
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