gäbe es nur eine Antwort: S...! Der Gefallen wird euch nicht getan".Denn wer überhaupt nicht glauben kann, wird durch kein noch so großesWunder gläubig.
George hat den Glauben an sich selbst und seine Sendung im Gedichtund im Gespräch mit der gleichen Schlichtheit ausgesprochen, wie alleswas ihm als Schicksal zugefallen ist. Uns ist es ein fraglos Gegebenes, umdas es so wenig zu rätseln und zu deuteln gibt, wie um das Unbegreiflicheseines Daseins selbst. Von der ersten „Weihe" in den HYMNEN bis zum„Geheimen Deutschland" im NEUEN REICH ist dieses klare Bewußtseindes Wertes immer wieder mit einer Bitte um Segen verbunden: derSelbstherrlichkeit hält die Selbstbeherrschung in George stets das Gleich-gewicht, und die größte Habe, die ihm mitgegeben ward, ist zugleich diegrößte Forderung die das Leben an ihn stellt. Sein Beruf war mit jedemSchritte eine neu zu lösende Aufgabe, er mußte sich von allen Neben-zwecken lösen, er mußte frei sein von kleiner Liebe und kleinem Haß, vonSorge und Bekümmerung um den Alltag, er mußte dem Glück des Her-zens gebieten, wenn es den Weg zum höheren Ziele hemmte, mußte scharfund schroff die Grenze zwischen Freundschaft und Feindschaft setzen,fallen lassen und verwerfen, was dem Werke widersprach, auch wenn Ge-rühmtes und Schönes mit zugrunde geht. Er hing nicht an Heim noch Hofund stand in steter Wache vor Freund und Feind. Er allein durfte nie-mals wanken noch klagen, nicht beim Erreichten ruhen noch am Gewon-nenen sich sättigen. Er trug die Verantwortung für viele Lebenden, unddas Heil vieler Kommenden hing an dem was er tat, aber niemand konnte•hm eine Bürde seines Amtes abnehmen, weil nur er das Letzte-zu-Tuendes ah und doch nur mit dem rechnen konnte, was die Gunst von Tag undJahr ihm an Menschtum bot. Gewiß „jeder wirkliche Urgedanke einesMenschen", wie Gundolf sagt, „fruchtet unaufhaltsam bis er alle seineKräfte erschöpft hat", und die fraglose Gelassenheit Georges vor der künf-tigen ,Spur seiner Erdentage' ruht auf diesem Wissen um die schicksal-hafte Auswirkung seines Dichtens und Tuns. Aber kein Gott nimmt auchdem Größten die Aufgabe ab, den neuen Keim ins Blut der Mitgeborenenz u pflanzen und dort zu hegen, daß er langsam erstarke und Leib undLuft gewinne. Unscheinbar begann es, ohne Versuch einer Wirkung ins^Veite, ohne Gewalt noch Aufruhr. Aus dem kleinsten und einfachstenPunkt, dem persönlichsten Erlebnisausdruck im Gedicht, aus der kleinstenMöglichen Welt dem geschlossenen Gedichtkreis, dessen Dreiheit schein-bar ein Spiel der Zahl doch zugleich den festen formalen Aufbau der dich-terisch bezwungenen Weltgehalte ankündigte. „Von je Wenigerem etwasseine Vollkommenheit erlangt, desto edler ist es" sagt ein alter Weiser,
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