bedarf der Sondererkenntnisse nicht: ihm ist Wissen ein Schauen in diegroße Wirklichkeit des Lebens und Weltschaffen wichtiger als Welterken-nen. Wer nur einen Bruchteil der Wahrheit und Weisheit seines Werkeserfahren hat, begreift was Perls, der Philosophisch-Geschulte einst vonihm meinte. Perls behauptete damals: um ein großer Dichter zu sein, mußman die Philosophie kennen, und als man ihn auf George hinwies, dernichts davon wüßte, widerstritt er dem heftig: er wisse aus vielen Ge-sprächen mit ihm, daß er alle Systeme der Weltweisheit beherrsche, aberdie Kunst besitze, es nicht merken zu lassen.
Auch die Musik hat im Wirken des Dichters keinen Raum. Unsere Vätererlebten vor mehr als hundert Jahren noch den Schrecken der Trennungvon Wort und Ton: „Darum ist das Wort, das ewige Wort des Lebens,Fleisch geworden", schrieb Ernst Moritz Arndt im „Geist der Zeit", „da-mit das andere Wort, die Macht der Sprache und Lehre, endlich die ein-zige Zauberkraft würde, der wir vertrauen dürfen. Wie die Musik in demMaße gestaltloser durch das Spiel mit allen möglichen Gestalten und Bil-dern und zu allen möglichen Gestalten und Bildern hin die verworrensteund weichlichste aller Künste geworden, wie wir in unseren Tagen er-leben, als sie sich von ihrem lebendigen Worte, von der menschlichenStimme und dem Gesänge, entfernt hat, und wie sie fast in eine Gaukele»und Hexerei mit den Instrumenten ausgeartet ist, so sind alle Wunder-scheine und Wundererscheinungen in dem Maße verführerischer und ver-derblicher, als sie von dem Wunder abirren, das uns verheißen ist durch dieWirkung des göttlichen Wortes, woran wir glauben". Heute ist all dasschreckenlos geworden und kaum noch verständlich. Aber der Dichter zog»wie wir zu schildern versuchten, den heiligen Klang, ein Ewig-Mensch-liches wie Gedanke und Wort, wieder liebend in sein Werk und gab ihmsein göttliches Erbe, den Rausch ans gestaltete und gestaltende Wort g e "bunden zurück. — Vergesse man nicht, daß es sich bei der Auseinander'Setzung mit der Musik im Blätterkreise nicht um ein müßiges Bereden vonWert und Unwert der Tonkunst an sich handelt, sondern um die wach-same Verantwortung eines Gründers für seinen Bau. Die Musik als Staat'und tatauflösende Gewalt, also in besonderem Grade die neuere unneueste Musik: mehr hat George nie in ihr bekämpft, und er läßt es off en 'wie weit ein Geschlecht, das seinen Stand im Ganzen wieder unverrückb 3einnimmt, sich mit ihr zu befreunden wage.
Noch ein Letztes endlich aus all diesen Sonderbereichen hat man lWerk des Dichters vermißt: die ethische Wertung, die Entgegensetzungdes Guten und Bösen. Es fehlt und fehlt doch so wenig wie Gedanke unKlang. Es fehlt in christlicher Form, es fehlt auch als Vorschrift un
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