von hierher die strahlenden Verkündigungen von seinem Volk und Tem-pelland, die vertrauenden Gebete und die milden wie noch die herbenWinke an Freund und Kind. Derselbe der verachtend die Lauen und Lau-ten von sich stößt, beugt sich für die Schweigenden und Glühenden lie-bend auf den Grund des Brunnens und holt das leiseste weiseste Wortunserer Trauer und Schönheit, unserer Torheit und Treue, unseres Spie-lens und Gespieltwerdens ins ewige Rund herauf — den Sang, der dasbrüderliche Leben fesselt in Dauer und Raum.
Darum konnte der Dichter, wie das Gedicht „Burg Falkenstein" esfestgehalten hat dem Zweifel des Freundes, daß aus dem Romantischenund Idyllischen „der Zauber" nicht wieder erstehen könne und unserVolk keine Gewähr mehr biete, ihn in sich aufzunehmen, mit der erahntenGeburt des neuen Tones begegnen: des Tones den er von je ersehnt,aber noch nicht singen konnte, der das „Nationelle" im HölderlinschenSinne, die leibliche und geistige Einheit von Land und Volk und Reichin sich befassen und das Gewirr der hundertfach zerspaltenen Stimmenund Geister in dem einigen heiligen Lobgesang befangen wird, mit demdie Einzelstimme in den frühen HYMNEN begann und der Chor imSTERN DES BUNDES schon schloß. Mit dem neuen Ton ist das NEUEREICH geboren. Seine Ordnung ist keinem geschichtlichen oder heutigenBauwerk vergleichbar, sondern, wie wir zu zeigen suchten, dem sich Dehnenund Verdichten des an- und abschwellenden Lebens. Am Werkgang vonden frühen zu den späten Hymnen wird vielleicht am deutlichsten unterallen ähnlichen Vorgängen der Menschengeschichte einmal sichtbar wer-den wie Leben in mehr als geschlechtlichem Sinne entsteht: man kanndie Entwicklung der schönen Form zum schönen Leben, die Entwicklungdes engsten Bundes zum neuen Reich in den sich wandelnden Sinnbildernder Georgeschen Dichtung ebenso lesen wie in den Geschehnissen seinesDaseins, beide sind nur Zeichen des gleichen Vorgangs: der Entstehungeiner jungen Menschenwelt.
3. KAPITEL: DAS WESEN UND WIRKENGEORGES • DER DICHTER
DER Dichter ist der religiöse Mensch schlechthin. Nachdem eine ganz eReihe von Jahren die religiösen Gemeinschaften sich kaum mit Georgbeschäftigt hatten, begannen auch sie gleichzeitig mit der sonstigen Offen *lichkeit nicht ohne eine gewisse Eifersucht zu ahnen, es möchte vielleicn
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