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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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tiges erscheinen und bestätigte ihr lebendiges Wachstum. Daß schon ein-mal ein gläubiges Herz die ewigen Mächte sah, von deren Gestaltung | nGöttern und Helden die heilige Sage spricht, daß es ihre Herabkunft inder Zeit und in dieses unser Land mit der gleichen Inbrunst und Zuver-sicht geweissagt hatte, mit der der Meister sie als heute geschehen ver-kündete, diese Spiegelung des Geheimnisses in den beiden hohen Geisternunseres Volkes gab ihm seine raumdurchdringende Irdischkeit und nahmdas Einmalig-Furchtbare, das auch das festeste Herz erschreckt.

Denn die Weltsicht diesesTräumers" Hölderlin war so wenig als «desÄstheten" George romantisch und wirklichkeitsfremd und erdfern»wie die Zeitgenossen sie gescholten haben, sie war die des kühnen wagenden Dichters, der zwischen Himmel und Abgrund, zwischen tiefeLiebe und tiefem Haß, zwischen großem Schmerz und großer Lust seinZelte spannt. Hölderlin sah die ganze Furchtbarkeit des Daseins, vor deden klassischen Bildnern schauderte, er trug und gestaltete die ganze Ge-genwucht der oberen und unteren Gewalten, welche die romantischenSchwärmer wohl durchfuhren und funkeln ließen aber nicht beherrschtenund formten. Die ganzen Tiefen der Nacht und des Leidens, welche w"»in den Dichtern und Malern, Musikern und Denkern bis zu NietzscheUntergang hin aufbrechen sahen, hatte Hölderlin schon durchmessen u° das schloß den Bogen zwischen ihm und George wieder in das künslerische Gebild hinaufgeführt, bis in jene Menschmitte gehoben, wo zWsehen der Fülle des einen und dem Mangel des andern das Göttliche escheint. Das Leben selbst ist ihm schon göttlicher Kampf. Denn ins Mailos-Unendliche, ewig Ungestalte und Unbehauste, in die Sphäre desRaUSChaft-Ungebändigten dringt das Licht mit dem ewigen Willen zum Mavoll-Gestalteten zum Leiblich-Begrenzten und Sichtbargeformten. Im » rnen Leben" verhalten sich diese Mächte nach seinen Worten in der eWentgegengesetzten Schwebe des Einklangs, sie vollenden sich erst im °sonderen Leben als Erscheinungsformen des menschlichen Geistes, alsin Werk und Gemeinschaft verwirklichten Kinder aus dunklem Rausund hellem Maß, aus flutender Begeisterung und haltender Nüchternh eaus ewiger Freude und ewiger Trauer. Auf diesen Stufen zwischen H°und Tiefe auf- und abzusteigen istBeruf und Wonne des Dichters' uje trunkner und klarer zugleich die Mischung der Gestalten ist, dieans Licht ruft, um so größer ist der Sieg des Lebens, um so reiner tdas Göttliche als Schönheit in die irdische Luft. Man begreift, was vdieser Grundsicht der Welt aus den beiden Dichtern die Sprache bedeUSie ist das höchste Mittel des menschlichen Geistes, das ganze Lebenbesonderen Sinnbild des Schönen nicht nur darzustellen sondern selbst422