Druckschrift 
Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
Seite
405
Einzelbild herunterladen
 

sondern sind gestaltete Gesichte seiner Weisheit und Erleuchtung. Wärens >e Lehre so erschöpften sie sich durch die Deutung ihres Inhaltes, aberal s undurchdringliche Form sind sie unauflösliche Wegzeichen und Bilder,°' e nicht Erkenntnis und Einsicht vermitteln sondern die Herzen undGeister wandeln. Wer anders als der echte Liebende verstünde auch den^uf an die neue Jugend: daß der Schöne auch der Kampfbereite, der Lor-be erträger auch der Dolchbewehrte ist und Sklave heißt, wer jetzt nocha "delt und sich betäubt. Es sind keine sanften Götter, deren Bilder hier111 Sprüchen erscheinen, nicht voll Mitleid mit den Gedrückten, nicht volltf barmen mit den Reuigen, nicht voll Schonung für die Verirrten: sie for-er n zum rechten Weg auch die rechte Kraft, zur vollen Schuld auch die^°He Sühne und zur günstigen Blüte noch das günstige Schicksal. Wo dieWe ihe des irdischen Lebens und die Würde des Menschen oberster Sinner Welt ist, wird die Entweihung des Lebens und die Entwürdigung deser »schen durch Schändung des eigenen Selbst oder des brüderlich Ver-Undenen einziger Frevel und ist nur sühnbar durch Selbstopfer oder er-höhende Tat.

dieses durchaus tätige, bis zum trotzigen Untergang tätige Verhalten

Ur Gottheit schließt alles Zweifelsüchtige und Schielende, alles Stumpfe

nd Geduckte so sehr vom herrscherlichen Umkreis aus, daß selbst der

e «vd im eignen Innern geschaffen werden muß und das Fremde keine

an? en hat von außen in den staatlichen Ring einzudringen. Das durchaus

e 'dende bis zur Knechtschaft leidende Verhältnis zu Gott, wie es von

ut her zuerst geschaffen wurde und dann die Gläubigen aller Bekennt-

lSse > ja in den abgewandelten geistigen Formen allmählich auch die mo-

err »en Denker ergriffen hatte, statuierte notwendig von diesem höchsten

er hältnis aus die tatsächliche unterschiedlose Gleichheit aller einzelnen

0r Gott. Es mußte, bei der Ausgleichung aller natürlichen geistigen und

h °Pferischen Stufen unter den Menschen enden und zu jener Vereinze-

n g Und Einebnung, Anbetung des Mindern und Niedrigen, Entzügelung

s Schwachen und Bedürftigen in der Volksgemeinschaft führen, die wir

0r Uns sahen und noch sehen. Gegen dieses schon zum bewußten Betrug

evv ordene Verderben der Zeit richtet der Dichter den Seinen wieder die

».gebundenen und gotterzeugten Stufen des Seins und Wissens unter

Aschen auf: Er gibt auch dem Weibe sein Heiligtum zurück und rückt

t S Ganze durch die heuchlerische Zweideutigkeit des humanen Bürger-

d . m s vergiftete Geschlechtsverhältnis zwischen Mann und Weib wieder in

Urbestimmte Ordnung des Zeugens und Empfangens, des engeren

jy terl ichen Liebesraumes und der umfassenden männlichen Herrschaft.

weibliche Liebe ist in dieser Ordnung auf den Einen, Schönen und

405