Gelassenheit, die sich unter Gleichen ziemt, in der Nähe oder Ferne, dieWert und Schicksal jedem gab. Sie hatten alle ihre Wünsche und Süchteund da ihnen kein Jenseits sondern das Diesseits mit all seiner Qual undHerrlichkeit zum Kampfplatz ihrer Kräfte gegeben war, so begehrten sieviel und deuchten sich stark genug auch noch aus dem Unwegsamstenihre Schätze zum gemeinsamen Schatze heimzubringen. Es war keinleicht erobertes noch leicht zu bewahrendes Gut der Freundschaft f ureinen Meister, der nur warb durch Erweckung, nur forderte durch Werkund Vorbild, nur rief, was schon ungerufen kam. Er beschnitt keine Lei-denschaft und hemmte keinen Flug, solange das Gesicht der Mitte zug e 'kehrt blieb, er warnte kaum, aber jeder fühlte an ihm das Maß seinesTuns und Lassens und wußte, daß seiner Liebe und Achtung verlustig'gehen schlimmer war als der Tod. Sein Kommen oder Gehen war Richteund Urteil genug. Denn was auch diesen und jenen außer ihm lockte undtrieb: daß kein Höheres und Hehreres sei als er, sein Werk und seineWelt, war allen gewiß und keinen lockte die romantische Sehnsucht nach„der dinge formen abertausend" da sie in der einen, der seinen die Er-füllung sahen.
Von dieser unbedingten Gebundenheit an die herrscherliche Mitte be-stimmte sich auch das gegenseitige Verhältnis zueinander. Sie wußtensich alle der gleichen Weltkraft verpflichtet und die besondere Gemein-samkeit der Liebe oder Freundschaft zwischen zweien oder mehreren, di eauf dem Schicksalsgrunde des Herzens erwächst, erhielt eben dadurcerst eine tiefere Glut, daß sie im Wissen um den gemeinsamen Grund almenschlichen Kräfte umfaßte und sich aus dem Privaten notwendig inStaatliche erhob. So schwangen innerhalb der geistigen Bindung die nähe-ren oder ferneren Beziehungen nach Blut- und Schicksalswahl und nebeden Spannungen der innigsten Freundschaften gab es solche des fernsteSichmessens von Kräften, die sich nur in bezug auf die gemeinsame Mi*berührten. Sie kannten sich zuweilen, selbst wenn gemeinsame Feier s»zusammenführte, nicht einmal dem bürgerlichen Namen und Lebensgangnach und die sich im Tiefsten geeinigt wußten, mieden sich oft im Getrieder Zeit, um jeder auf seinem Platze das Rechte zu tun. So entständeaus Nähe oder Ferne ein neidloser aber leidenschaftlicher Wettkampf d eKräfte und ein befeuerter Ehrgeiz, dem Meister, dem Freunde und danndem Ganzen genug zu tun: Die Besten zu gewinnen, das Schönste zleisten, durch Haltung und Wirkung des Gottes würdig zu sein.
An der Schaffung von Gedichten, an der Mitarbeiterschaft an deKampfschriften und bald auch an größeren Werken erschien jeder m 1seinem besonderen Können und Wissen, aber das volle Maß seiner Kraf390