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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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flutenden Seelenzauber, den sie in Shakespeare liebte, in eine feste weiter-wirkende Gestalt gebannt und einem Jahrhundert deutscher Dramener-2e ugung und Shakespeareforschung den Weg bereitet. Diese NachfolgeShakespeares teilte am Ende des Jahrhunderts das Los der Klassik undRomantik im Epigonentum und Naturalismus und gerade vom sprachge-wordenen Feuer seines Geistes ging auf dem Theater auch der letzteFunke verloren: seine Dichtersprache wurde vom Schauspieler verfratztu ld verzerrt und blieb auch im aufgeschmückten Rahmenapparat nach^ e r Jahrhundertwende bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Kunstschu-| u ng und Wissenschaft vergaßen trotz Nietzsches erschütternden Sichten"i die leidenschaftliche Tiefe desRenaissancemenschen" Shakespeare vor^n technischen Fragen der dramatischen Gestaltung das dichterische Ge-bilde und den Dichter. Er wurde erst wieder sichtbar an dem neuen Welt-bilde das George schuf, und gerade im Mittelpunkt seines Dichtertums.ln einem war Shakespeare dem ganzen Jahrhundert ebenso fremd und un-er lebbar wie Dante geblieben: dort wo er nicht der Dramatiker, der Tür-tlle r großer Schicksalsbauten, der Schürzer feinster Seelenknoten, sondernöe r einmalige leidenschaftliche Mensch in der unmittelbaren Äußerung sei-^r selbst, der Herr seiner drängenden fordernden Bildnertriebe, derPrachgewaltige ist, der aus dem Wahnsinn seines Herzens zu uns spricht:ln den Sonetten.

Gewiß sie waren ein dutzendmal und zuweilen von tüchtigen Männern^ertragen worden, aber sie blieben unserem Geiste tot, weil weder Not^° c h Rausch den Übersetzern das verschlossene Reich dieser Dichtung°flnete. Sie hatten auch den Anteil unserer Wissenschaft erweckt, aber die^lehrten waren verlegen um diese Selbstbekenntnisse der männlichenle be herumgeschlichen und man denkt beim Lesen ihrer Schriften anas helle Gelächter der Genossen von Piatons Gastmahl, Lorenzos Akade-^ le und Goethes Runde, wenn diese Geister im Elysium von den Hüternnd Richtern Shakespearescher Sitte hören mochten. Und wenn jenen Ge-blechtem der Gehalt der Sonette schon fremd war, wieviel fremderü ßte ihnen ihre bis zur Haut gespannte und doch nie gesprengte Forme ' n = diese dunkelste Leidenschaft bei hellstem Wissen von ihr, diesesEngende Werben bei zurückhaltender Vornehmheit, diese gänzlich un-0t Uantische und kühle Sachlichkeit bei einem alles durchglühenden feu-l gen Kern! George hat diese herbe Hoheit, diese innigste Verschmelzung° n Süd und Nord als die unmittelbarste Offenbarung des britischen Ge-1Us ^griffen und dieses dem Deutschen bisher unzugängliche Gebiet mit111 Erobererwillen seiner Herrschernatur in sein dichterisches Reich ge-lungen. Er hat uns wieder das Mitschwingen im verhaltenen Sturmwind

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