ein weit größeres wagnis als das von solchen die das deutsche nicht rechtverstehen (wären sie auch die klügsten). Wenn Sie nun bald darauf eflt'fremdung meinerseits bemerkten und eine änderung meiner gefühle Ihn« 1gegenüber — so hat Sie Ihre ahnung nicht betrogen und Sie führen in Ihrembrief ganz richtig den grund meiner Verstimmung an. Es gibt dinge die unsmit menschen an die gefährliche grenze führen wo nichts mehr erstaunt-Lassen Sie uns darüber nichts mehr schreiben. Ihnen mag es gelingen da 5leichter zu nehmen und Sie können sich kaum vorstellen wie das mich nie'derschlug zu sehen wie sogar menschen von wolbeschaffenheit und g e 'schmack durch gleißnereien verführt werden können, ihre hand zu biete"wo der allgemein herrschenden schwindelhaftigkeit auch die kunst aus'geliefert werden soll . . . Ich habe Ihnen nun möglichst getreu meine me>'nungen und empfindungen geschrieben, damit Sie nichts in einer rede ufl'erwartet treffe. Ich glaube kaum etwas übergangen zu haben: so daß s> enicht ganz unzweideutig meine gesinnung erführen. In den einzelheitefwird eine mündliche auseinandersetzung am besten ausgleichen und nach'helfen. Ich brauche Ihnen nicht zu wiederholen wie sehr ich Ihren besuchin unseren gegenden begrüße wo ich mich mit geringen wechseln bis sep'tember aufhalte. Mit großer Spannung erwarte ich Ihr neues werk. Teile 0Sie mir — ich bitte — zeitig Ihre entschlüsse mit und erinnern Sie herZ'lieh den Leopold Andrian an mich. Auf bald gute nachrichten erhoffenIhr Stefan George."
Um Werk und Tun, Gesinnung und Haltung nach innen und auß e °kreiste auch die weitere Auseinandersetzung und wenn sie wieder einmenschliche Näherung der beiden Dichter hervorrief, deckte sie doch auc"den tiefsten Unterschied ihrer geistigen Artung auf. Hofmannsthals Ve f 'hältnis zu den ihm nahen Menschen war freundschaftlich bestimmt, das Ge'orges in unlöslicher Verbindung freundhaft und werkhaft zugleich. W afür den ersten ein unwillentliches Hingleiten auf den wechselnden Begebe 0 'heiten des Daseins hieß, war für den andern Wurzellosigkeit und Mang ean Zucht. George erschien als Nötigstes für den deutschen Menschen ei°feste verpflichtende Haltung, Hofmannsthal sah gerade im Gestelosen cHberechtigte Haltung unserer Zeit: „Gerade durch sein Fieberhaftes >schreibt er in .Dichter und diese Zeit', „durch seine Wahllosigkeit, durcdas rastlose Wieder-aus-der-Handlegen der Bücher, durch das Wählen 0Suchende scheint mir das Leben in unserer Epoche eine Lebenshandlung'eine des Beachtens werte Haltung: eine Geste". Den meisterlichen Dränezum aktiven Führertum hat Hofmannsthal nie gefühlt. Er sah wohl, daden Deutschen in der Vorstellung von ihren Dichtern gerade das fehlt iwas Männer an Männern am höchsten stellen müssen: die Führerschal •290