Druckschrift 
Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
Seite
270
Einzelbild herunterladen
 

Schuler seitdem: George habe ihn verhext, daß er nichts mehr tun kön» eund Klages mußte zwanzig Jahre von diesen ihn so tief erregenden Di»"gen schweigen. Auch den letzten damals noch unternommenen Versuch derKosmiker, George auf seinem eigensten Gebiete zu treffen, indem sie ver-breiteten, er wage nicht, ihre von Urschauern trächtigen Gedichte z»drucken, weil auch nur eine Zeile davon die Blätter sprengen würde, ent-waffnete dieser: er nahm auch gegen ihren Willen in die siebente Folg eauf, was er gerade von ihnen in Händen hatte und nahm dafür in einer»Prozeß, den Klages um sein Verfasserrecht gegen die Blätter anstrengte«gern die richterliche Verurteilung in Kauf, nachdem die Sprengkraft jenerZauberverse sich als unwirksam erwiesen hatte denn sie fügten sichstill den übrigen ein.

Doch blicken wir von diesem unfreundlichen Ausgang noch einmalzurück auf die Wirkung dieser seltsamen Runde nach innen und auße»-

Durch den Angriff auf sein Dichtertum war dem Meister im Auge»*blick der höchsten Gefährdung, als er den dunklen Mächten in ihrer fei»'sten und verführerischsten Form zu verfallen drohte, das Auge geöffnetworden für das seinem Werke drohende Verderben. Aber damit erhobsich erst recht ein furchtbarer Zwiespalt in ihm: eine neue Wahl wa fnötig geworden zwischen dichterischer Aufgabe und täterhaftem Drang'zwischen erneuter Einsamkeit und der gerade damals im MünchenerFreundeskreise lebendig sich darstellenden Kraft der Gemeinschaft, z"* 1 "sehen stiller Werkarbeit und einer unmittelbaren Auswirkung aller Kräftein die gegenwärtige Zeit. Jeder Verzicht schien die Hälfte des Getane»zu vernichten, jede falsche Wahl mußte das Ganze gefährden. Aber scho»hatten die waltenden Mächte ihm den Helfer und Retter gesandt und "dieser Not löste der jugendliche Mund Maximins mit einem Worte jede»Zweifel von seiner Seele. Denn das letzte wonach die Kosmiker jahrelangvergeblich trachteten: das Magische war schon geschehen, der Zaube fwirklich geworden. Sie, die so viele tiefe Geheimnisse zu kennen glaub'ten aber einige der einfachsten nicht wußten, sahen es nicht mehr und w> edie Juden noch immer den Messias erwarten mußten, als er längst unte fihnen geweilt hatte, so mußte Klages zwei Jahrzehnte später noC pals Wunschbild beschreiben, was schon die beste deutsche Jugend a' sGeschehnis kannte:Man rufe sich zurück das Erlebnis des Schauens ****und denke hinzu, daß zwei Menschen es gemeinsam erlitten: ^ s 'dann wären beide sympathetisch verbunden durch das Ereignis, welcheden Namen kosmogonischer Eros trägt! Daß solches sich nie durch Ver'knüpfung der Leiber vollzöge, braucht keines Wortes mehr; wie aber eSdennoch stattfinden könne, das dürfte, ohne zu freveln, nur der enthülle»'

270