Male eine Lockerung und tiefe Erschütterung des geistigen Gefüges. IhreMaße und Gehalte sind schwerer faßbar als früher: ein schwingenderfließender Atem herrscht in den meisten vor, aber bricht oft jählings ab°der ist von stoßweisen Takten durchbrochen, um dann wieder zum an-fänglichen Schrittmaß zurückzukehren. Die früher häufig benutzte Wieder-holung ganzer Zeilen zur Verschlingung der Strofen, wie wir sie besondersVor » Clemens Brentano her kennen, so daß der Eindruck einer regelmäßigWiederkehrenden Klangbewegung, eines fugenhaften Bandes entstand, istletzt zu einer unregelmäßigen sprunghaft wechselnden Ornamentik benutzt,dieser Linienführung entspricht auch der Gebrauch von Bild und Gleich-es: sie deuten eine Erscheinung nur an, begnügen sich mit einem zucken-ae n Hinweis, als seien die Eindrücke ins Wort geschleudert. Sie sind mehre tschütterte Gebärden der Seele als Bedeutungsträger und haben oft —nic ht nur in der „Einzelrede" — einen dramatischen Schauer, der dasve geneinanderstehen zweier Gewalten im Dichter ahnen läßt. Zu denr uheren Sinnbildern Osiris und Helios, Herodias und Semele, Jakchos und^riadne mit ihren Rätselfragen sind jetzt die düsteren der Mütter, Dä-monen und Gespenster getreten. In die hymnischen Gebete und Gesängeau s der Panstunde mischen sich beschwörende Formeln alter Kulte, wieder-er Weckte verschollene Urworte, Zaubersprüche aus erdgöttlichem Bereichn d Stimmen „An den alten Wassern". Diese aus altem Erbe herauf-Sehobenen Bilder haben aber niemals das Merkmal der „Historien"-Malerei:es sind Darstellungen von Begehungen für die es noch keine deutschenF °rmen gab und die sich darum in die Schleier des Vergangenen hüllen:"as Epithalamium etwa nur in der Überschrift eine antike, in Wesen und^inn aber eine deutsche Hochzeitsweihe, die Strofen „Um die Mutter"ein e Anrufung an die syrische Magna Mater sondern an die eigne Erd-^utter auf dem „Stein in der Mittagsglut", die in der starren Helle christ-lc her Ewigkeit auf die Zeichen des göttlichen Wandels harrt. Und ähnlich* e ht auch der Abschied Mosis vom Gelobten Land in schöner menschlichere utung am alten Vorgang das für jeden neuen Aufbruch gültige Gesetz,a » die Herren der Wanderung andre sind als die der festen Sitze. AllenRichten ist ein Gemeinsames eigen: sie spielen auf der Schwelle vonell e und Düster, Gestaltung und Leere, Leib und Gespenst, dort wo die^ r enze aufhört, das Gefäß überquillt und das Ungebändigte sich über dieander ins Ungebundene stürzt. Es bestätigt das Dichtertum Wolfskehls,^ß er alle diese drängenden Flutungen und Flatterungen zum schönen^aß. Und Klanggebilde fügen kann. Aber es bestätigt auch die unaufheb-*re Notwendigkeit des Schweifens auf der Schwelle der Reiche für dieseneis t, daß die dunklen Gedichte die hellen überwiegen und noch bei diesen
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