Formen des rhythmischen Tanzschrittes werden zuletzt vereinigt, alleReimformen vom einfachsten Anklang bis zum vollsten Doppelklang ver-bunden, alle Sinnformen mit solchem Schwergewicht beladen, daß die Verseund Strofen mit einem tiefen Glockenklang austönen und noch einmal amSchluß das Merkmal des ganzen Werkes, die Neigung zum Sinken, denFlug in den Abgrund, im Fallen des Tones bis in die letzte Lautwerdungbezeugen.
4. KAPITEL: DEUTSCHE DICHTUNG
SO wenig die Lechter-Ausgabe wie die allgemeine Bondi-Ausgabe vomTEPPICH DES LEBENS erweckten in der deutschen Öffentlichkeita uch nur den Haueh eines Verständnisses für das, was hier in unserem"olke aufgestanden war. Mit Ausnahme einiger sachkundigen „Bücher-freunde", die sich an der Pracht des neuen Buches freuten, ergoß sich nurWohn über das Werk Lechters bis zu dem Vorschlag die damals strittige* ra ge nach dem richtigen Jahrhundertanfang einfach dadurch zu lösen:uaß man zu zählen beginne: „Beim Erscheinen des Buches der verrücktenFarben". Der öffentlichen Stimmen über die Dichtung selbst haben wirschon zur Genüge Erwähnung getan, auch sie gipfelten in der Verhöh-nung, der Dichter möchte doch noch die überflüssige Trennung der ein-Ze lnen Worte aufgeben und alle aneinanderhängend drucken.
Unter den Gefährten und Befreundeten, die sich wie Verwey, Klages,S immel, Breysig, Gundolf und andere über den TEPPICH DES LEBENS inAufsätzen oder Büchern damals äußerten, war nur eine Stimme, daß diesesWerk Georges die höchste Vollendung seines Künstlertums darstellten d unter die ganz vollkommenen Sprachdenkmale der Erde zu rechnenei - Sie bemerkten an ihm zunächst die gesteigerte Dichtigkeit undußerste Gesetzmäßigkeit des Aufbaus, durch den die Gattung der ge-flossenen Zyklen in die Form des Epos oder Dramas erhoben wurde,uann das tiefer und satter gewordene Inkarnat der Farben und die in-nigste Verbindung von Musik und Sinngehalt, die unmittelbare Versinn-Ic hung der dichterischen Erschütterung in einem rhythmischen Klang-str om. Das ist Gesang, kein Sprechen mehr, schrieb Breysig. — Das biegtUn d glüht und schweißt die Worte — es zertaut mit heißem Anhauchle sprödesten Wendungen — es bringt in Lauten zum Ertönen, was sieJ e nseit ihrer Begreiflichkeit an wunderwirkendem Wahnsinn bargen,Sc nrieb Klages: „Nachdem geschlechterlang der Vers zum grell bemaltene *äß banaler Gedanken erniedrigt war, steht einer auf, der unter kälte-er Verachtung des Sinnes kultische Spracherlebnisse für Dichtung aus-
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