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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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entnehmen ist, dürfte zunächst auf eine Epoche des verworrenen Natura-lismus eine Epoche verworrener Phantastik folgen". Diese Epoche, von denKunstrichtern bald dieNeuromantik" getauft, war in der Tat schon an-gebrochen. Der ausschließlichen Elendsmalerei und Krankheitsdarstellungdes Naturalismus waren Erzeuger wie Hörer schon überdrüssig gewordenund gingen aufdie Suche nach einem frischen Quellwasser der Lyrik". Sogerieten sie an die für ihre Begriffe phantastischen Bilder der Blätter-Dich-ter, mischten sie aus Unwirklichkeit und Reizmittel eine neue Theatermodefür das Publikum: an die Stelle der Hinterhaus- und Vorstadtdramen tratennun Spiele wie Vasantasena, Talisman, Hansel und Gretel, Königskinderund Versunkene Glocke, deren Gestalten schon öfter in Versen sprachen,ohne dadurch freilich ihre niedere oder pathologische Herkunft verbergenzu können. Auch kehrten ihre Verfasser in gemessenen Abständen gernwieder in die Fuhrmannskneipen zurück, ein Verfahren, woraus die wissen-schaftlichen Erkenner folgerten, daß es eine allein berechtigte Kunstformnicht gebe und der wahre Dichter die Neuromantik so gut wie den Na-turalismus beherrschen müsse.Aus dem fruchtbaren Erddünger des Na-turalismus ersprießt die blaue Blume der Romantik" so kennzeichnete eseiner von ihnen und also auf dem Zeitpunkt stehend, wo sich Idealismusund Realismus, Naturalismus und Romantik, Materialismus und Ortho-doxie, Monarchie und Demokratie berührten, glaubte man in der gleichenKonstellation wie vor etwa hundert Jahren den Genius wieder erwartenzu können, von dessen Laube man doch eben erst die neuen Blätter ge-pflückt hatte, um die kahlen Stirnen ein wenig zu bedecken. Auch die na-turalistischen Lyriker waren schon den bezeichneten Weg der Verbindungdes stofflichen Realismus mit dem formalen Idealismus gegangen, dochhatten sich ihre ältesten tapfersten Verfechter dabei auf einen solchentheoretischen Holzweg wissenschaftlich starrer Formeln festgerannt, daßihnen nichts als Rückkehr in den ehemals so geschmähten verdammten undverachteten bürgerlichen Journalismus übrigblieb. Denn also rief dieHei-matscholle" gegen die Jahrhundertwende:Der moderne Realismus undNaturalismus hat abgewirtschaftet, die Deutschen kommen dichterischim Ausland nicht mehr in Betracht. Sind das nicht traurige Tatsachen?Auch die Ergebnisse die der vor zehn Jahren in Szene gesetzte modern eSturm und Drang auf literarischem Gebiet zeitigte, sind verschwindendbelangslose. Wo sind sie geblieben die größenwahnsinnigen Führer einerneuen Epoche des Realismus? Der Schoß der Journalistik nahm sie auf ."Und also, um das Bild zu runden, eröffneten damals die Revolutionäre derLyrik im Deutschen Musenalmanach, in Neuen Bahnen und ähnlichenschnellsterbenden Zeitschriften die Periode des aristokratischen Indivi'

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