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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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Selbstzerfleischung, der tiefsten nationalen Entwürdigung und der un-seligen religiösen Wirren die vorherrschende deutsche Schrift. Vielleichtdie Tatsache steht nicht sicher fest entsprang sie einer Künstlerlaunedes alternden Dürer, der ihre Großbuchstaben außer dem fehlenden unter Verwendung des Elefantenrüssels (/) aus der SchwabacherRenaissance-Form ins Barocke weiterbildete und die Kleinbuchstabenunter Aufspaltung einiger Längsstriche, Verbindung eckiger und ge-schwänzter Striche und Verbindung eckiger Striche mit langgeschwänz-ten Ober- und Unterstücken, zu spätgotischen Formen rück bildete.Diese wulstige, wenig einheitliche aus Rüsseln, Ecken, Schnörkeln undSchwänzen zusammengesetzte Bruchschrift entsprach dem barocken Ge-schmack des 17. und 18. Jahrhunderts in Deutschland, wo sie die Trägerindes religiösen schöngeistigen und ungelehrten volksmäßigen Schrifttums,vor allem auch der Zeitungen, wurde. Sie eroberte durch die religiösenZusammenhänge auch den protestantischen Norden Europas, während sieim Süden und Westen einschließlich Hollands nur gelegentlich zur Ver-wendung kam. Mit dem Abklingen des Barock verlor die Bruchschrift imI 9- Jahrhundert immer mehr Gebiete ihres außerdeutschen Raumes, seitetwa 1880 ging von den skandinavischen Staaten und nach dem Weltkriegeauch von den baltischen und den österreichischen Randstaaten einer nachdem andern zur Altschrift über, nur Bibeldrucke und einige Zeitungs-köpfe wurden in Bruchschrift beibehalten und heute ist Deutschland wieauf die engsten Grenzen so auch auf den engsten Machtbereich seinerSchreib- und Druckschrift beschränkt. So spiegelt die Schrift auch hierdas politische Schicksal wider.

Auch in Deutschland war schon frühzeitig von Leibniz, Bodmer, KleistUnd anderendie vorzügliche Schönheit der runden Lettern" aufs neue ver-teidigt, nach der Überwindung der barocken Kunst- und Gesellschafts-formen war die Sehnsucht nach einer vereinfachten Schrift bei WielandWieder lautgeworden. Goethe hatte sein schon beim Druck desWerther"geäußertes Verlangen nach der Altschrift wenigstens einmal bei der Erst-ausgabe des West-östlichen Diwans erfüllen können, und Jacob Grimmschrieb in der Einleitung zum Wörterbuch:Es verstand sich fast vonselbst, daß die ungestalte und häßliche Schrift, die noch immer unsere mei-sten Bücher gegenüber denen aller übrigen gebildeten Völker von außenbarbarisch erscheinen läßt, und einer sonst allgemeinen edlen Übung un-teilhaftig macht, beseitigt bleiben müsse. Leider nennt man diese verdor-bene und geschmacklose Schrift sogar eine deutsche, als ob alle unter uns'm Schwang gehenden Mißbräuche zu ursprünglich deutschen gestempelt,dadurch empfohlen werden müßten". Die von ihm gegründeten Zweige

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