Der Baudelairesche Rat: „Enivrez-vous!" bot George keine Hilfe aufdiesem Weg: Die geistigen Räusche, und mochten sie eine noch so hoheStufe des Künstlerischen erreichen, waren wie die leiblichen nur ein Aus-weg aus dem Gemeinen, eine Flucht vor dem Rohen und Vielen, ein Wider-spruch gegen das Banale, es war ein Scheinheilmittel, das durch seine Artder Endzeit selber angehörte, es war vor dem grausamen Antlitz des ver-zerrten Lebens Betäubung in schönem Vergessen und also Verzicht auf Be-zwingung und Verwandlung der Wirklichkeit. Daher hat auch die DichtungALGABAL nichts von dem unverkennbaren Pariser Parfüm der Baudelaire-Gedichte, nichts von dem besonderen Zeitduft des französischen Verfalls,sie faßt die Endzeit in ihren einfachen menschlichen Grundspannungen undwenn etwas von spätrömischer Luft sie durchweht so deshalb weil derDichter eine endende Kultur nur dort versinnbildlichen kann, wo sie in gro-ßen Figuren nicht wie heute im Massenelend oder Massenaufstieg er-scheint. Es gab damals in Europa keinen Adel, kein Herrschertum mehr alsin den wenigen, welche es mit fast übermenschlicher Kraft gegen die ver-pöbelnde Welt, ja gegen ihr eignes alterndes Blut noch in Haltung undAnspruch vertraten, wie etwa Ludwig IL von Bayern und Elisabeth vonÖsterreich. Sie hielten das Bild des entschwindenden fürstlichen Menschenauf dem Throne für ihre Person noch aufrecht, das schon zum Untergangbestimmte Erbkönigtum christlicher Zeit fand in ihnen noch die letzte Ver-körperung einer stolzen Hoheit und Unnahbarkeit. Ludwig IL suchte inseinen einsamen Schloßbauten — fast so einsam und zeitfremd wie im Un-terreich des ALGABAL — vergeblich noch den letzten freien Prunkraum,das Palatium Majestatis zu schaffen, um überhaupt leben zu können. Fürsolche Naturen, die in einer schon ganz gewandelten Welt, das letzte Erbenoch einsam, schön aber widerhallos behaupteten, war Wahnsinn oderDolchstoß das letzte Geschick. Aber ihr Schimmer blieb dennoch unver-loren: Die erlöschenden Gestirne stürzen in die aufgehenden und ohne dieSpätkaiser der Antike wären schwerlich die Funken von Rom und Byzanzin die Franken gefahren und hätten die Glut unserer Kaisergeschlechterentzündet. So steht heute vor der Dichtung ALGABAL die Aufschrift: DemGedächtnis Ludwigs II.
Als meine jugend mein leben hob in solch ein lichtKam sie erstaunend deinem nah und liebte dich.Nun ruft ein heil dir übers grab hinaus AlgabalDein jüngrer bruder, o verhöhnter dulderkönig.
Der Erneuerer des Bildes herrscherlichen Menschentums wurde zugleichder Bewahrer des Bildes versinkenden Herrschertums.
Aus solcher Not, mit dem Blick auf solche Vorbilder und dem Wissen
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