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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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Bevölkerung, eine vornehme Gesittung im Verkehr der Menschen unter-einander Gegebenheiten, die im öffentlichen Leben des Deutschlandjener Jahre nicht mehr zu finden oder kaum erst im Entstehen begriffenwaren. Denn die guten Überlieferungen waren bei uns in ihrem früherenBestände gefährdet oder hatten sich, unfruchtbar für das Wachstum derJugend, in wenige abgesperrte Gesellschaftskreise zurückgezogen, und dieneuen, aus der Reichseinheit erwachsenen Ansprüche schössen einseitig insWirtschaftliche oder Militärische: sie haben die deutsche Bildungseinheiteher zerrissen als gefördert. In England die tiefen Brüche des Gefügeswaren noch nicht spürbar gaben Überlieferung und Zeitgeltung demEinzelnen wie dem Gesamten ein festes Gepräge und erzeugten jenen un-beirrbaren Stolz, die selbstbewußte Ruhe, den hohen Anspruch ohne Wal-lung und Auftrumpf, die wir dem Inselreich und seinen Bewohnern da-mals neideten. George ergriff mit Eifer diese neue Form des Lebens, dasBestreben, sie sich anzueignen, das Studium der englischen Sprache, diein dem befreundeten Hause, wo er Aufnahme gefunden hatte, fast aus-schließlich gesprochen wurde, und die Betrachtung der reichen Kunst-schätze der Stadt genügten vollauf, um die jungen Kräfte während derMonate seines Aufenthaltes ganz zu beschäftigen. Die Zeit, Bekanntschaf-ten in der geistigen Welt zu suchen, war für den neunzehnjährigen Neu-ling noch nicht gekommen; aber ein Jugendfreund, der sich in Londonangesiedelt hatte, erleichterte ihm den Blick in manche Dinge, und er ver-ließ London als ein völlig andrer: mit einer festgefügten Selbstgewißheit,einem sicheren Maß für das persönliche Verhalten Menschen und Dingengegenüber und einem klar geöffneten Blick in die Weite der großen Welt.

dort in andrer luft und andrem landEntdeckt ich als ein andres fluß und flur.Ich sah die hellen und die bleichen himmelDie wälder gaukelten mir bilder vorUnd aus dem duft der morgendlichen wiesenAus ferne winkenden gekrönten mauernUnd aus der menschen schritten und gebahrenUnd ihrer sänge rätselvollem sehnenErhoben sich mir unbekannte weiten

Die jugendliche Welt des Schülers war in England verweht. Die frühenGedichteVon einer Reise" in der FIBEL lassen schon im Inhalt deutlichein Befreitsein spüren: die Schulzeit ist vorbei, die Enge der Kirche abge-streift, wenn auch die junge Seele ehrfürchtig vor frommer Handlung bleibtund vom Spott der Freunde über die betenden Mütter verletzt wird. Aberdie alten Glocken verwirren und zerren nicht mehr, und auch die Liebe hatein andres Gesicht:Das Heilige" der Frühzeit ist verschwunden, die Lei-

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