112So frei, so wohlwollend, so für alles Gu-te empfänglich fühlt' ich mich in den harmlosenTagen meiner Kindheit, da noch die väterlicheFlur der Schauplatz meiner unschuldigen Spie-le war. Mein Herz, rein wie der Himmelbeim Morgenroth, öfnete sich nur den Eindrük-ken der Frölichkeit. Ich dachte mir die Welt,wie das Haus meines Vaters, die Menschenwie die kleinen Genossen meiner Spiele. Süße,aber grausame Täuschung! Damals wußt' ichnoch nicht, daß sich auch das Laster in das Ge-wand der Tugend hülle; ein undurchdringli-cher Schleier verbarg meinen Blicken die Rän-ke der Ehrſucht, die Schleichwege der Intrike,die Verheerungen viehischer Lust; wenn ich andem Bord dieſer Quelle ſaß, und ihr nachſah,wie sie durch Blumen und blühendes Gesträuchsich hinschlängelte, dachte ich nur, daß sie inihrem Laufe Pflanzen und Heerden tränke undden müden Wanderer erquicke. — Nie hättemir einfallen können, daß sie sich im Oceanmit dem Blute von Menschen mischen wer-
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